Kulinarik im Anaga: Guachinche, Gofio und Hauswein
Man sitzt an einem Holztisch, der Wein im Glas funkelt dunkelrot, und der Duft von Knoblauch und Kräutern mischt sich mit der kühlen Bergluft. Kulinarik im Anaga ist kein inszeniertes Erlebnis, sondern ehrliches Handwerk. Wo ein Palmwedel über der Tür hängt, öffnet ein Weinbauer seinen Keller – die klassische Guachinche. Hier teilt man den hauseigenen Listán Negro und einfache, kraftvolle Gerichte, die seit Generationen genau so schmecken. D.O. Tacoronte-Acentejo ist die älteste Weinbezeichnung der Kanaren und liegt buchstäblich im Schatten des Anaga-Kamms.
Zwischen Höhlenküche und Meerblick
Die Reise führt von salzigen Papas arrugadas con mojo über Conejo en salmorejo bis zum jahrtausendealten Gofio. Während man im Höhlenrestaurant La Cueva in Chinamada tief im Fels speist, serviert die Casa África in Taganana fangfrischen Fisch direkt am tosenden Atlantik. Die Weine der Region, gewachsen auf unveredelten Reben und erzählen die Geschichte des vulkanischen Bodens. Viele Lokale öffnen nur mittags oder am Wochenende – wer weiß wann und wo, isst besser.
Conejo en Salmorejo – Kaninchen auf kanarische Art

Das Conejo en Salmorejo ist das definitiv kanarischste Hauptgericht – ein mariniertes, langsam geschmortes Kaninchen, das auf den Inseln seit der Conquista (und wahrscheinlich schon vorher) zubereitet wird. Die Marinade – Salmorejo – ist nicht mit der andalusischen Tomatensuppe zu verwechseln: Hier ist es eine Würzpaste aus Knoblauch, Paprika, Kümmel, Kräutern und Essig, in die das Kaninchen mindestens 24 Stunden eingelegt wird.
Gofio – das Superfood der Guanchen, noch immer auf jedem kanarischen Tisch

Gofio ist das älteste Lebensmittel Teneriffas – und eines der am wenigsten verstandenen. Für Touristen sieht es aus wie Mehl. Für Kanarierinnen und Kanarier ist es das Grundnahrungsmittel ihrer Kindheit, ihrer Großmütter, ihrer Kultur. Geröstetes und gemahlenes Getreide (meist Weizen oder Mais, manchmal Gerste oder Kichererbsen) – das ist Gofio. Einfach in der Beschreibung, komplex im Geschmack.
Queso de Cabra – der Ziegenkäse des Anaga

Im Anaga-Gebirge gibt es Ziegen. Viele Ziegen. Sie traversieren Steilhänge, die Menschen zu zähmen brächten, weiden auf Terrassenfeldern und liefern die Milch für einen Ziegenkäse, der zu den besten der Kanarischen Inseln gehört. Frisch und jung, mit einer Textur wie Ricotta; oder gereift, mit einer harten Rinde und einem kräftigen Geschmack, der von Kräutern und dem kanarischen Klima geformt wurde.
Proviant für die Anaga-Wanderung – was mitnehmen und wo kaufen

Im Anaga gibt es auf den meisten Wanderrouten keine Einkehr, kein Café, keine Quelle. Wer unterwegs etwas essen oder trinken will, muss es mitbringen. Das klingt logistisch, ist aber auch kulinarisch eine Chance: Kanarisches Picknick im Lorbeerwald oder am schwarzen Lavastrand ist eine Erfahrung, die man mit einem Restaurantbesuch nicht tauschen will.
Papas arrugadas con Mojo – das Original-Rezept

Kaum ein Gericht ist so einfach und so unwiderstehlich wie Papas arrugadas con Mojo. Kleine kanarische Kartoffeln, in so viel Salzwasser gekocht, bis das Wasser verdampft und die Schale runzelig wird – dazu zwei Mojos: Mojo rojo (scharf, paprikabetont) und Mojo verde (frisch, korianderbetont). Das Nationalgericht der Kanaren, das man in jedem Restaurant des Anaga bekommt – und das man zu Hause nachkochen muss.
Ziegenkäse, Conejo und Hausguachinche – Essen im Anaga-Gebirge

Im Anaga-Gebirge isst man nicht für den Instagrampost. Man isst für den Geschmack: frischer Fisch direkt vom Hafen, Ziegenfleisch-Eintopf in einer echten Felshöhle, Papas arrugadas mit selbstgemachtem Mojo, ein Glas Listán Negro vom Haus. Die Gastronomie des Anaga ist das Gegenteil von Tourismus-Kulinarik – sie ist Alltagsessen der kanarischen Bergbevölkerung, zugänglich für alle, die wissen wo sie suchen.
Guachinche – Hauswein und Hausmannskost in Tegueste & La Laguna

Eine Guachinche ist schwer zu beschreiben, wenn man noch keinen besucht hat. Es ist ein Ort, an dem ein Weinbauer Teile seines Hauses öffnet, Wein aus der eigenen Ernte ausschenkt und Essen kocht – was gerade da ist, was die Familie auch isst. Keine Speisekarte, kein Menü. Nur authentisches kanarisches Essen mit Hauswein.
Wein im Anaga – die älteste Denominación der Kanaren

Das Anaga-Gebirge und Wein: Das klingt zunächst unwahrscheinlich – zu steil, zu feucht, zu abgelegen. Aber genau diese Bedingungen schaffen eine der interessantesten Weinregionen der Kanaren. Die D.O. Tacoronte-Acentejo – Denominación de Origen – ist die älteste anerkannte Weinregion der Kanarischen Inseln und umfasst die Hänge nördlich von La Laguna bis in die Ausläufer des Anaga-Massivs.
La Cueva in Chinamada – Essen in einer echten Felshöhle

Es gibt Restaurants mit Meerblick, Restaurants mit Bergkulisse und Restaurants mit außergewöhnlichem Design. Und dann gibt es das La Cueva in Chinamada – ein Restaurant, dessen Wände buchstäblich aus Fels sind. In denselben Tuffstein, in den die Bewohner von Chinamada seit Jahrhunderten ihre Wohnräume hauen, ist auch dieser Gastraum gemeißelt. Keine Designentscheidung, kein Konzept – nur die Antwort auf das, was der Fels ermöglicht.
Barraquito – der kanarische Schichtkaffee

Wer in La Laguna oder Santa Cruz in ein Café tritt und Barraquito bestellt, bekommt kein normales Heißgetränk. Er bekommt ein Schichtkunstwerk im Glas: unten kondensierte Milch, dann Likiör (meist kanarischer Licor 43), dann Espresso, dann aufgeschäumte Milch, oben eine Prise Zimt und ein Stück Zitronenschale. Fünf Schichten, ein Glasgefäß, ein einzigartiger Geschmack.
Frühstücken in La Laguna – der perfekte Start vor der Anaga-Wanderung

Wer das Anaga mit La Laguna als Basis erkundet, hat morgens eine Entscheidung zu treffen: direkt losfahren oder erst frühstücken? Die Antwort ist einfach: erst frühstücken. La Laguna hat einige der besten Bäckereien und Cafés Teneriffas – und nach dem Frühstück ist man 20 Minuten vom Lorbeerwald entfernt.
Vier Themen – eine Küche
La Cueva in Chinamada, Casa África in Taganana, Frühstück in La Laguna – die besten Adressen im und ums Anaga.
Papas arrugadas, Conejo en Salmorejo, Gofio, Ziegenkäse – die kanarische Küche des Anaga mit Rezepten und Hintergrund.
D.O. Tacoronte-Acentejo, Listán Negro, Barraquito – und die Guachinche-Kultur in Tegueste und La Laguna.
Proviant für die Wanderung, kanarisches Picknick im Lorbeerwald – wo kaufen und was mitnehmen.
Essen & Trinken im Anaga-Gebirge
Eine Guachinche ist kein Restaurant im klassischen Sinne – ein Weinbauer öffnet Teile seines Hauses oder Kellers, schenkt Wein aus der eigenen Ernte aus und kocht einfache kanarische Gerichte. Das Erkennungszeichen: ein Palmwedel über der Tür. Keine Speisekarte, kein festes Menü – was da ist, kommt auf den Tisch.
Gofio ist geröstetes, gemahlenes Getreide – meist Weizen oder Mais – und das älteste Lebensmittel der Kanaren. Es schmeckt nussig, leicht geröstet, komplex. Man rührt es in Milch, mischt es unter Eintöpfe oder formt es zu Kugeln. Für Kanarier ist es Kindheitserinnerung und Grundnahrungsmittel zugleich.
Viele Lokale im Anaga öffnen nur mittags und oft nur am Wochenende. Wer unter der Woche kommt, sollte vorher nachfragen oder mit geschlossenen Türen rechnen. Guachinches haben meist noch unregelmäßigere Öffnungszeiten – ein Anruf vorher lohnt sich immer.
Auf den meisten Wanderrouten nicht. Kein Kiosk, kein Café, keine Quelle. Wer unterwegs essen oder trinken will, muss es mitbringen. Kanarisches Picknick im Lorbeerwald oder am schwarzen Lavastrand ist ohnehin ein Erlebnis für sich – die richtige Vorbereitung macht daraus mehr als nur Verpflegung.