Natur & Flora im Anaga: Ein Relikt der Urzeit
Uralt. Neblig. Lebendig. Man tritt unter das dichte Blätterdach, und das Licht bricht sich in tausend Grüntönen auf feuchtem Moos. Hier im Anaga-Massiv atmet die Erde den Geist des Tertiärs: Ein Laurisilva-Lorbeerwald, der als biologisches Relikt die Eiszeiten überdauerte. Auf den 144 km² des Biosphärenreservats herrscht eine Botanik, die man sonst nur aus Fossilien kennt – genährt durch die konstante Feuchtigkeit des Nordostpassats.
Endemische Schätze und lebende Fossilien
Über 1.000 Pflanzenarten prägen das Gebirge, darunter mehr als 50 Endemiten, die weltweit nur hier existieren. Während die rötliche Kanaren-Glockenblume den Boden erleuchtet, ragen riesige Kettenfarne aus den Schluchten. Wer leise geht, hört den Ruf der seltenen Lorbeertaube, die fast ausschließlich in diesen Wäldern brütet. In sensiblen Zonen wie dem Pijaral-Wald schützt ein strenges Genehmigungssystem das fragile Gleichgewicht. Entdecken Sie hier alles über die Geologie, seltene Vögel und die botanischen Wunder im Nordosten Teneriffas.
Wetter im Anaga: Nebel, Passat und Mikroklima – wann ist die beste Zeit?

Das Anaga-Gebirge hat sein eigenes Wetter – und das unterscheidet sich deutlich von dem, was unten in Santa Cruz oder am Südufer Teneriffas herrscht. Während am Teide die Sonne brennt und an der Südküste Liegestühle den Strand säumen, kann es auf dem Anaga-Kamm nebelig, feucht und frisch sein. Das ist kein Wetterfehler – das ist das Mikroklima, das den Lorbeerwald am Leben hält.
Vegetationszonen im Anaga: Vom Kaktus zum Lorbeerwald in 800 Metern

Auf weniger als 800 Höhenmetern erlebt man im Anaga-Gebirge eine Vegetationsabfolge, die auf dem europäischen Festland Hunderte von Kilometern und ganze Klimazonen umfassen würde: Von der kakteenartigen Wolfsmilch-Zone an der Küste über die trockene Übergangszone bis in den dichten Lorbeerwald auf dem Kamm. Das Anaga ist ein natürliches Schaufenster der kanarischen Vegetationsvielfalt.
Monte de Aguirre – der unbekannte Bruder von El Pijaral

Während El Pijaral bei Naturliebhabern bekannt ist, kennt kaum jemand Monte de Aguirre. Dabei ist dieser Lorbeerwald-Bereich im Anaga-Gebirge noch strenger geschützt und noch artenreicher – und die Genehmigung ist noch begehrter: nur 20 Personen pro Tag, ausschließlich auf privatem Buchungsweg über tenerifeon.es.
Farne, Moose & Flechten – das grüne Unterleben des Anaga-Lorbeerwalds

Wer durch den Anaga-Lorbeerwald wandert und nur nach oben schaut, sieht die Hälfte nicht. Das eigentliche Wunder des Waldes spielt sich auf Augenhöhe – und darunter – ab: Farne so groß wie Sonnenschirme, Moose so dick wie Kissen, Flechten in hundert verschiedenen Formen an jedem Ast und Fels. Das Anaga-Gebirge beherbergt über 200 Moosarten – mehr als ganze europäische Länder – und einige der seltensten Farne des Atlantiks.
Gallotia galloti – die Teneriffa-Eidechse im Anaga-Gebirge

Kein Tier ist im Anaga-Gebirge so allgegenwärtig – und so unterschätzt – wie die Kanareneidechse (Gallotia galloti). Wer auf einem Wanderweg eine Sonnenpause einlegt, wird nach wenigen Minuten eine sehen: blaue Kehle beim Männchen, schnelle Bewegungen über Felsen, das typische Davonhuschen.
Los Roques de Anaga – die unzugänglichen Wächter der Ostküste

Wer vom Faro de Anaga auf den Atlantik schaut, sieht sie: Zwei schwarze Felsen, die aus dem Meer ragen. Die Los Roques de Anaga sind das Ende Teneriffas – und gleichzeitig einer der bestgeschützten Naturräume des gesamten Archipels. Kein Landgang möglich, starke Strömung.
Der Drachenbaum – uralte Silhouette im östlichen Anaga

Kein Baum Teneriffas ist so ikonisch wie der Drachenbaum (Dracaena draco). Mit seiner charakteristischen, schirmförmigen Krone, der silbrig-grauen Borke und dem blutroten Harz, das ihm den Namen gab, ist er eines der eindrücklichsten Naturdenkmäler der Kanaren. Im Anaga-Gebirge wachsen die wildesten und ältesten Exemplare der Insel – an Steilhängen, in Barrancos, auf Felsvorsprüngen. In Chamorga, dem östlichsten Dorf des Anaga, stehen Drachenbäume zwischen verwitterten Steinhäusern wie lebende Wächter.
Canarina canariensis – die leuchtende Glockenblume des Lorbeerwalds

Im Anaga-Lorbeerwald auf Teneriffa gibt es eine Blüte, für die eigens Fotografen von weit hereisen: die Kanaren-Glockenblume (Canarina canariensis). Bis zu drei Meter lang, kletternd, mit leuchtend orange-roten Glockenblüten, die von Oktober bis April an Waldrändern, Böschungen und Felsvorsprüngen leuchten wie kleine Laternen. Diese Pflanze ist das Aushängeschild der endemischen Flora des Anaga – schön, ungewöhnlich, nirgendwo sonst so zu sehen.
Der Mercedeswald – Lorbeerwälder am Rand der alten Hauptstadt

Wer über La Laguna ins Anaga-Gebirge fährt, passiert ihn fast zwingend: den Mercedeswald (Bosque de Mercedes) – einen der beeindruckendsten Lorbeerwald-Bestände der gesamten Kanaren, direkt an der Straße TF-12. Lorbeerbäume bis zu 25 Metern Höhe, Moose, Farne, Nebel – und das nur wenige Kilometer von der zweitgrößten Stadt Teneriffas entfernt.
Pilze & Flechten im Anaga-Nebelwald – die unterschätzten Schätze

Im Anaga-Lorbeerwald gibt es eine Welt jenseits der Bäume und Farne – eine Welt, die die meisten Besucher kaum wahrnehmen: die Pilze und Flechten des Nebelwalds. Unsichtbar für den eiligen Blick, aber von enormer ökologischer Bedeutung. Flechten überziehen jeden verfügbaren Ast, Stein und Borkenfleck. Pilze erschließen in den Herbstmonaten die Waldböden. Zusammen bilden sie ein Netzwerk, ohne das der Lorbeerwald nicht funktionieren würde.
Glockenblume, Veilchen & Orchidee – die endemische Flora des Anaga

Das Anaga-Gebirge auf Teneriffa ist ein Hotspot der pflanzlichen Biodiversität – mit einem außergewöhnlichen Anteil an endemischen Arten, also Pflanzen, die ausschließlich hier und an keinem anderen Ort der Welt vorkommen. Über 50 Pflanzenarten gelten als Anaga-Endemiten – nur in diesem Gebirge, nirgendwo sonst.
Der verzauberte Wald – El Pijaral und wie man reinkommt

El Pijaral ist der am besten erhaltene Lorbeerwald des gesamten Anaga-Gebirges – und vielleicht der eindrücklichste Fleck Natur auf Teneriffa. Urwüchsige Bäume, Moose so dick wie Kissen, Farne in Mannshöhe, Nebel, der zwischen den Ästen hängt. Kein Lärm, kein Handy, keine anderen Menschen außer den maximal 44 anderen, die heute hier sein dürfen.
Seltene Flügler im Nebelwald – Birdwatching im Anaga

Das Anaga-Gebirge auf Teneriffa ist eines der bedeutendsten Vogelbeobachtungsgebiete der Kanarischen Inseln – und Europas. Kein anderer Wald des Archipels beherbergt eine vergleichbare Dichte an endemischen Vogelarten auf so kleinem Raum. An erster Stelle: die Lorbeertaube (Columba junoniae), eine der seltensten Tauben der Welt, die nur im Lorbeerwald der Kanaren und Madeiras vorkommt. Im Anaga hat sie ihr bestes Refugium.
Versunken in Jahrmillionen – der Lorbeerwald des Anaga-Gebirges

Vor rund 15–20 Millionen Jahren bedeckte der Lorbeerwald – die sogenannte Laurisilva – weite Teile Europas und Nordafrikas. Als das Klima kälter und trockener wurde, verschwand er fast vollständig vom Kontinent. Fast: Auf den Kanarischen Inseln, Madeira und den Azoren überlebte er in Rückzugsgebieten. Das Anaga-Gebirge auf Teneriffa beherbergt heute einen der am besten erhaltenen Lorbeerwälder der Erde – ein lebendiges Stück Tertiär, mitten im Atlantik.
9 Millionen Jahre Anaga – wie ein Gebirge aus dem Meer wächst

Das Anaga-Gebirge ist das älteste Stück Teneriffas – und eines der geologisch ältesten Landmassen des gesamten Kanarischen Archipels. Während der Teide erst vor etwa 3 Millionen Jahren zu wachsen begann, ist das Anaga bereits 8–9 Millionen Jahre alt. Dieser Altersunterschied ist nicht nur eine geologische Fußnote – er erklärt die unglaubliche Biodiversität des Anaga, seine tiefen Schluchten und seine mächtigen Basaltformationen.
Vier Themen – ein Ökosystem
Laurisilva, Mercedeswald, Glockenblume, Drachenbaum, Farne, Moose – die Flora des Anaga von der Küste bis zum Kamm.
Lorbeertaube, Teneriffa-Eidechse, Birdwatching-Guide – die Tierwelt des Anaga und wo man sie beobachtet.
El Pijaral, Monte de Aguirre, Los Roques de Anaga – geschützte Zonen, Zugangsbeschränkungen und Buchung.
9 Millionen Jahre Entstehungsgeschichte, Vegetationszonen, Passatklima und das Mikroklima des Kamms.
Natur & Flora im Anaga-Gebirge
Die Laurisilva ist ein tertiärer Lorbeerwald, der vor 15–20 Millionen Jahren weite Teile Europas bedeckte. Die Eiszeiten vernichteten ihn fast vollständig – nur auf den Kanarischen Inseln, Madeira und den Azoren überlebte er. Das Anaga-Gebirge beherbergt einen der besterhaltenen Bestände weltweit: über 1.000 Pflanzenarten, mehr als 50 davon endemisch.
Von Oktober bis April – das ist die Hauptblütezeit der Canarina canariensis. Die kletternde Pflanze leuchtet mit rötlich-orangen Glockenblüten an Waldrändern, Böschungen und Felsvorsprüngen. Der Winter ist die beste Zeit, um sie in voller Blüte zu sehen – und gleichzeitig die ruhigste Saison im Anaga.
El Pijaral ist nur mit kostenloser Genehmigung zugänglich – buchbar über tenerifeon.es, montags ab 07:00 Uhr. Maximal 44 Personen pro Tag sind zugelassen. Die Genehmigung ist begehrt und schnell vergeben. Monte de Aguirre ist noch strenger geschützt: nur 20 Personen täglich.
Die besten Chancen hat man morgens im Lorbeerwald bei Cruz del Carmen – ruhig gehen, früh starten, Fernglas mitnehmen. Die Lorbeertaube (Columba junoniae) ist eine der seltensten Tauben der Welt und kommt fast ausschließlich in den Lorbeerwäldern der Kanarischen Inseln und Madeiras vor. Im Anaga hat sie ihr bedeutendstes Refugium.
Das Anaga hat ein eigenes Mikroklima: Der Nordostpassat trifft auf das Gebirge, staut sich und kondensiert zu Nebel und Feuchtigkeit – genau das, was den Lorbeerwald am Leben hält. Während am Teide die Sonne brennt, kann es auf dem Anaga-Kamm kühl und neblig sein. Dieser Unterschied ist kein Wetterfehler, sondern das Herzstück des Ökosystems.