Los Roques de Anaga – die unzugänglichen Wächter der Ostküste

Wer vom Faro de Anaga auf den Atlantik schaut, sieht sie: Zwei schwarze Felsen, die aus dem Meer ragen. Die Los Roques de Anaga sind das Ende Teneriffas – und gleichzeitig einer der bestgeschützten Naturräume des gesamten Archipels. Kein Landgang möglich, kein Boot-Anleger, starke Strömung. Der Roque de Tierra (oder Roque de Dentro) als auch der Roque de Fuera sind vollständig dem Meer und der Natur überlassen.

Das macht sie zum Refugium für Arten, die auf dem Festland längst verdrängt wurden: eine isolierte Eidechsen-Population, Brutstätten seltener Seevögel und eine Vegetation, die ohne menschliche Eingriffe wächst. Los Roques de Anaga sind kein Ziel – sie sind ein Symbol. Teneriffa, wie es war, bevor die Menschen kamen.

Roques de Anaga an der Ostküste Teneriffas
Roques de Anaga an der Ostküste Teneriffas

Die Roques de Anaga: Geologie und Entstehung

Die Los Roques de Anaga sind Basaltplutons – Gesteinsmassen, die einst als flüssiges Magma in die bereits erstarrte Umgebung eingedrungen und dort erkaltet sind. Während das umgebende Gestein über Jahrmillionen vom Meer abgetragen wurde, blieben die härteren Basaltplutons stehen. So entstanden die markanten Felsnadeln, die heute wie Monolithen aus dem Atlantik ragen.

Die Höhe des größeren Roque (Roque de Tierra): ca. 84 Meter über dem Meeresspiegel. Ihre Lage: Direkt vor der Nordostspitze Teneriffas, ca. 1–2 km vor der Küste. Sichtbar von: Faro de Anaga, El Draguillo, Chamorga und bei klarer Sicht sogar von La Laguna aus.

Naturschutz: Warum die Roques unzugänglich sind

Los Roques de Anaga stehen unter strengstem Schutz: Sondergenehmigung nötig, kein Landgang für Touristen erlaubt. Die Schutzmaßnahmen existieren nicht wegen des Gesteins, sondern wegen der Tiere, die hier leben:

Endemische Eidechsenpopulation: Auf den Roques lebt eine seit Jahrhunderten isolierte Population von Gallotia galloti. Diese Insel-Population (Gallotia galloti insulanagae) hat sich morphologisch von den Festland-Vorkommen unterschieden: kleiner, dunkler, angepasst an das karge Küstenfelsenleben. Eine menschliche Frequentierung würde diese fragile Population gefährden.

Sturmtaucher-Brutkolonien: Die Kanarische Sturmschwalbe (Hydrobates castro) und der Cory’s Sturmtaucher (Calonectris borealis) nisten in den Felsspalten der Roques. Beide Arten sind nachtaktiv und extrem störungsempfindlich.

Roques de Anaga mit der Finca Las Palmas und dem mächtigen Roque Adermo
Roques de Anaga mit der Finca Las Palmas und dem mächtigen Roque Adermo

Wer darf die Roques besuchen?

Nur Forscher mit Sondergenehmigung (ausgestellt vom Cabildo Tenerife) dürfen die Roques betreten. Nur mit Zodiac-Boot bei gutem Wetter und minimaler Personenzahl. Touristischer Zugang ist nicht vorgesehen und wird nicht genehmigt.

Die Roques erleben: Von Land und Wasser aus

Für alle ohne Sondergenehmigung: Die besten Aussichtspunkte auf die Roques de Anaga sind der Faro de Anaga (PR-TF 6.1), das Küstengelände rund um El Draguillo und der Wanderweg von Chamorga zur Küste. Fernglas oder Teleobjektiv mitbringen – aus 1–2 km sind Details erkennbar.

Aus Wasserperspektive: Keine kommerzielle Bootstour fährt direkt an die Roques heran (Schutzzone). Aber einige Teneriffa-Angelboote und private Segelboote umfahren die Roques in respektvollem Abstand – der Anblick von Wasser aus ist einzigartig.

🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.

Roques de Anaga
Roques de Anaga – Roque de Tierra (oder Roque de Dentro) und Roque de Fuera

Praktische Tipps

Fazit

Los Roques de Anaga sind Teneriffas unzugänglichstes Naturreservat: isolierte Eidechsenpopulation, Seevogelkolonien, unberührte Küste. Kein Landgang, kein Tourist – nur Natur in ihrer reinsten Form. Vom Faro de Anaga aus zu sehen: einer der eindrücklichsten Blicke der gesamten Insel.

Häufige Fragen

Kann man die Roques de Anaga besuchen?

Nein – kein Landgang für Touristen, Sondergenehmigung nur für Forscher. Die Roques sind streng geschützt.

Was lebt auf den Roques de Anaga?

Eine isolierte Gallotia galloti-Population (Eidechsen), Brutkolonien der Kanarischen Sturmschwalbe und des Cory’s Sturmtauchers.

Von wo aus sieht man die Roques de Anaga am besten?

Vom Faro de Anaga aus – direkter Blick auf beide Felsnadeln aus kurzer Distanz.

Wie entstanden die Roques?

Als Basaltplutons – härteres Gestein, das nach dem Abtrag des umgebenden Felsens übrig blieb. Entstehung vor ca. 8–9 Millionen Jahren.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026