Gallotia galloti – die Kanareneidechse im Anaga-Gebirge

Kein Tier ist im Anaga-Gebirge so allgegenwärtig – und so unterschätzt – wie die Kanareneidechse (Gallotia galloti). Wer auf einem Wanderweg eine Sonnenpause einlegt, wird nach wenigen Minuten eine sehen: blaue Kehle beim Männchen, schnelle Bewegungen über Felsen und Mauern, das typische Davonhuschen, sobald man sich bewegt. Gallotia galloti ist die häufigste Eidechsenart der Insel – aber im Anaga kommt eine besondere Unterart vor, die exklusiv für dieses Gebirge ist.

Dieser Artikel stellt die Eidechsenwelt des Anaga vor: Welche Arten gibt es, was ist das Besondere an der Anaga-Unterart, und wo findet man das seltene Vorkommen auf den Los Roques de Anaga?

Anaga-Eidechse ( Gallotia galloti eisentrauti) am Wanderweg
Anaga-Eidechse (Gallotia galloti eisentrauti) am Wanderweg

Gallotia galloti: Die Kanareneidechse

Gallotia galloti ist eine endemische Eidechsenart der Kanaren – sie kommt nur auf Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro vor. Auf Teneriffa ist sie in fast allen Lebensräumen verbreitet, von der Küste bis auf über 2.000 Meter am Teide. Die Männchen werden bis zu 40 cm lang und fallen durch ihre leuchtend blaue Kehle und blaue Flanken auf. Weibchen sind kleiner, unscheinbarer, braun-gestreift.

Im Anaga lebt eine eigenständige Unterart: Gallotia galloti insulanagae – eine Population, die sich durch die geografische Isolation des Anaga-Massivs von den anderen Teneriffa-Vorkommen getrennt entwickelt hat. Diese Unterart zeigt leicht andere Proportionen und Färbungsmuster als die Vertreter aus dem Teide-Bereich.

Gallotia galloti: Die Teneriffa-Eidechse
Gallotia galloti: Die Kanareneidechse

Verhalten und Lebensweise

Gallotia galloti ist tagaktiv und thermoregulierend: Morgens nimmt sie auf Steinen und Felsen Sonne auf, um ihre Körpertemperatur zu erhöhen. Bei Gefahr huscht sie in Felsspalten, unter Steine oder in dichte Vegetation. Im Anaga-Lorbeerwald ist sie vor allem an lichten Waldrändern, auf offenen Kammlagen und entlang von Mauern und Wegrändern zu finden.

Ernährung: Allesfresser – Früchte, Insekten, Blüten, Beeren. Im Frühjahr ernährt sich Gallotia galloti intensiv von Kanaren-Glockenblumen-Blüten (Canarina canariensis) und spielt dabei eine Rolle als Bestäuber.

Die Los-Roques-Unterart: Das seltene Vorkommen

Auf den Los Roques de Anaga – den zwei isolierten Felsnadeln vor der Nordostküste des Anaga – lebt eine Population von Gallotia galloti, die seit Jahrhunderten vollständig isoliert ist. Diese Insel-im-Meer-Population zeigt eine extreme Anpassung an das karge Küstenfelsenleben: Sie ist im Durchschnitt kleiner und dunkler gefärbt als die Festland-Verwandten.

Los Roques de Anaga sind für Menschen nicht zugänglich (kein Anleger, starke Brandung). Die Eidechsen-Population wird gelegentlich von Biologen-Booten aus beobachtet. Eine Sondergenehmigung ist für Forschungsbesuche nötig. Mehr zu den Los Roques de Anaga

Los Roques de Anaga
Los Roques de Anaga

Verbreitung im Anaga: Wo man Gallotia galloti am besten sieht

Beste Sichtungsorte: Sonnige Wegränder und Mauervorsprünge auf der Chinobre Runde, rund um Chamorga, auf offenen Kammabschnitten und entlang der TF-12 auf warm besonnten Felsabschnitten. Beste Zeit: 09:00–12:00 Uhr, wenn die Eidechsen aktiv Sonnen. Nicht stören – ruhig anhalten und beobachten.

Andere Reptilien im Anaga

Kanarische Hausgecko (Tarentola delalandii): Kleiner, nachtaktiver Gecko, häufig an Häuserwänden in Taganana, Chamorga und Afur. Frisst Insekten und ist vollkommen harmlos.

Mauereidechse (Podarcis dugesii): Auf Teneriffa eingeführte Art, kommt vor allem in tieferen Lagen vor. Im inneren Anaga selten.

🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.

Praktische Tipps

Fazit

Gallotia galloti ist das auffälligste Wildtier des Anaga-Gebirges – mit dem leuchtend blauen Männchen als Erkennungszeichen. Die Anaga-Unterart (insulanagae) ist ein kleines evolutives Wunder, das dieses Gebirge mit seiner besonderen Fauna verbindet. Ein Lieblingsmotiv für Naturfotos – und ein Zeichen, dass das Anaga lebt.

Häufige Fragen

Was ist Gallotia galloti?

Die Kanareneidechse – eine endemische Art der Kanaren, auf Teneriffa weit verbreitet. Auf den Roques de Anaga lebt die Unterart insulanagae, eine genetisch isolierte Population.

Warum haben die Männchen einen blauen Hals?

Sexualdimorphismus: Blaue Kehle und Flanken der Männchen sind Statussymbol für Revierverteidigung und Weibchenwerbung.

Sind die Anaga-Eidechsen gefährdet?

Gallotia galloti ist als Art nicht gefährdet. Die Los-Roques-Population ist wegen ihrer kleinen Größe und Isolation potenziell vulnerabel.

Beißen die Eidechsen?

Gallotia galloti kann beißen, wenn sie in die Enge getrieben wird – aber sie flieht in der Regel. Einfach beobachten, nicht anfassen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026