Wetter im Anaga: Nebel, Passat und Mikroklima – wann ist die beste Zeit?
Das Anaga-Gebirge hat sein eigenes Wetter – und das unterscheidet sich deutlich von dem, was unten in Santa Cruz oder am Südufer Teneriffas herrscht. Während am Teide die Sonne brennt und an der Südküste Liegestühle den Strand säumen, kann es auf dem Anaga-Kamm nebelig, feucht und frisch sein. Das ist kein Wetterfehler – das ist das Mikroklima, das den Lorbeerwald am Leben hält.
Wer ins Anaga wandern will, muss das Wetter richtig einschätzen – denn Nebel kann schnell aufziehen und bekannte Wege schwer erkennbar machen. Dieser Artikel erklärt den Nordostpassat, die Klimazonen des Anaga und wann der beste Zeitpunkt für verschiedene Erlebnisse ist.

Der Nordostpassat: Motor des Anaga-Klimas
Der Nordostpassat (Alisio) ist der dominierende Klimafaktor im Anaga. Dieser beständige Wind weht aus Nordosten und bringt feuchte Atlantikluft an die Nordflanken des Gebirges. Dort kühlt sie ab, kondensiert – und Nebel entsteht. Dieser Passatnebel ist das Lebenselixier des Lorbeerwalds: Er liefert bis zu 30% der Jahreswassermenge als horizontaler Niederschlag (Nebelkondensation an Blättern und Ästen).
Der Passat weht das ganze Jahr, ist aber in den Sommermonaten (Mai–Oktober) am beständigsten und kräftigsten. Das erklärt das Phänomen, das viele Teneriffa-Urlauber überrascht: Im Sommer kann der Süden der Insel strahlend hell sein, während der Nordosten im Nebel liegt.
Passathöhe und Wolkenband
Der Passatnebel liegt typischerweise zwischen 700 und 1.200 Metern Höhe. Die TF-12 auf dem Kamm des Anaga liegt genau in dieser Zone – weshalb die Kammstraße an vielen Tagen durch Wolken führt, während Punta del Hidalgo unten in der Sonne liegt. Wer über die Passathöhe klettert (z.B. auf dem Pico del Inglés, 870 m), blickt manchmal auf ein Wolkenmeer – eine der magischsten Kulissen des Anaga.

Klimazonen im Anaga: Nord vs. Süd, Kamm vs. Küste
Nordküste (Afur, Taganana, Almáciga): Feucht, mild (18–24°C), häufig windig, gelegentlich Niederschlag. Im Winter kann Starkregen die Barrancos zur Gefahr machen. Im Sommer angenehm kühl.
Kamm (Cruz del Carmen, Pico del Inglés, TF-12): Häufig Nebel, Temperaturen 12–20°C. Im Winter unter 10°C möglich. Der Lorbeerwald ist immer feucht, der Untergrund rutschig.
Ostküste (Chamorga, El Draguillo): Weniger Nebel als der Nordkamm, aber windig. Die offene Heide rund um den Faro ist bei starkem Ostwind ungemütlich.
Südseite (San Andrés, Playa de Las Teresitas): Viel trockener und sonniger als die Nordseite. Das Anaga-Massiv schützt den Süden vor dem Passatnebel.

Klimatabelle Anaga-Kamm (Cruz del Carmen, ca. 900 m)
Jan–März: 10–17°C, Niederschlag möglich, Lorbeerwald am grünsten. Für Wandern: In Schichten kleiden – Zwiebelprinzip, Regenjacke.
Apr–Jun: 13–20°C, weniger Regen, Passatnebel nimmt zu. Beste Reisezeit für Flora: Kanaren-Glockenblume noch in Blüte (April).
Jul–Sep: 16–22°C, Passat auf Maximum. Kamm oft im Nebel. Küste sonnig und warm. Früh wandern gehen.
Okt–Dez: 12–19°C, erste Niederschläge. Wald satt grün. Kanaren-Glockenblume beginnt zu blühen (Oktober). Schöne Wanderbedingungen.

Sicherheit bei Schlechtwetter im Anaga
Das Anaga-Wetter kann schnell wechseln: Nebel zieht in Minuten auf und kann gut bekannte Pfade schwer erkennbar machen. Nach Starkregen werden Wege extrem rutschig und Barrancos können kurzfristig Hochwasser führen. Wer an der Nordküste unterwegs ist und es stark regnet, sollte Bachquerungen vermeiden.
Wettervorhersage für das Anaga immer lokal prüfen – nicht die allgemeine Teneriffa-Vorhersage nutzen (die bezieht sich meist auf den Süden). AEMET (spanischer Wetterdienst) hat Stationsdaten für die Nordküste. Vueling und andere Airlines zeigen oft auch Wetterradar für die Kanaren.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
Praktische Tipps
- Immer Regenjacke dabei – auch bei Sonnenschein an der Küste
- Nebel = normal: GPS-Track offline laden bevor man in Nebelzonen steigt
- Beste Reisezeit gesamt: Oktober–April (grünster Wald, angenehme Temperaturen)
- Sommerwandern: Früh starten (vor 9 Uhr), Küstennebel als natürliche Kühlung nutzen
- Starkregen: Bachquerungen meiden – Barrancos können Hochwasser führen
- AEMET: Lokale Wettervorhersage für Nordteneriffa vor dem Start prüfen
Fazit
Das Anaga-Klima ist das Geheimnis hinter dem Lorbeerwald: Nordostpassat, Passatnebel, Feuchte und Wärme auf engem Raum. Wer es versteht, schätzt das Anaga in jeder Jahreszeit – und wandert sicherer. Oktober bis April ist die beste Zeit für maximales grünes Erlebnis.
Häufige Fragen
Oktober bis April: Der Wald ist am grünsten, Temperaturen angenehm, Kanaren-Glockenblume in Blüte. Im Sommer oft Passatnebel auf dem Kamm, aber Küstenwanderungen angenehm.
Feuchtigkeit, die der Nordostpassat von Atlantik heranträgt und die sich beim Aufsteigen an den Berghängen zu Nebel kondensiert. Er liefert dem Lorbeerwald bis zu 30% seines Jahresniederschlags.
Ja – aber Temperaturen auf dem Kamm können unter 10°C fallen, nach Starkregen sind Wege gefährlich rutschig. Warme Kleidung, Profilschuhe und Wetter-Check sind Pflicht.
AEMET (aemet.es) hat Stationsdaten für die Nordküste Teneriffas. Nicht die allgemeine Teneriffa-Vorhersage nutzen – die bezieht sich auf den trockenen Süden.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


