Glockenblume, Veilchen & Orchidee – die endemische Flora des Anaga
Das Anaga-Gebirge auf Teneriffa ist ein Hotspot der pflanzlichen Biodiversität – mit einem außergewöhnlichen Anteil an endemischen Arten, also Pflanzen, die ausschließlich hier und an keinem anderen Ort der Welt vorkommen. Über 50 Pflanzenarten des Anaga gelten als endemisch für die Kanarischen Inseln, mehrere davon sogar als Anaga-Endemiten – nur in diesem Gebirge, nirgendwo sonst.
Die bekannteste ist die Kanaren-Glockenblume (Canarina canariensis) – mit ihren leuchtend orange-roten Blüten, die von Oktober bis April an Waldrändern und Lichtungen leuchten. Aber das Anaga hat noch mehr zu bieten: eine endemische Orchidee, das Anaga-Veilchen, seltene Zistrosen und eine Vielzahl von Farn- und Moosarten, die den Lorbeerwald zum artenreichsten Lebensraum der Insel machen.

Kanaren-Glockenblume: Der Star der Anaga-Flora
Canarina canariensis (Kanaren-Glockenblume) ist die eindrücklichste Blütenpflanze des Anaga. Bis zu 3 Meter lang, kletternd, mit großen, orange-roten Glockenblüten, die von Oktober bis April an Waldrändern, Böschungen und Mauern leuchten. Die Pflanze ist endemisch für die Kanarischen Inseln und auf Teneriffa im Anaga am häufigsten zu finden.
Wo man sie findet: Fast überall im Lorbeerwald-Bereich des Anaga, besonders auf der Chinobre Rundwanderung, in den Wäldern zwischen Chamorga und El Draguillo. Die leuchtenden Blüten sind im Gegenlicht der Wintersonne ein Fotomotiv, für das eigens Reisende anreisen.
Blütezeit und Beobachtung
Oktober bis April ist die Hauptblütezeit der Kanaren-Glockenblume. Wer sie im Sommer sucht, findet nur das verblühte Laub. Im Winter (Dezember–Februar) ist die Blüte am üppigsten. Früher Morgen für das beste Licht – die Blüten sind nach Osten ausgerichtet.

Weitere endemische Pflanzen des Anaga
Anaga-Veilchen (Viola anagae): Eines der kleinsten und seltensten Veilchen des Anaga. Endemisch auf dieses Gebirge beschränkt, wächst in feuchten, schattigen Waldlagen. Winzige, violette Blüten, kaum größer als ein Fingernagel.
Teneriffa-Orchidee (Orchis canariensis): Eine der wenigen wild wachsenden Orchideen der Kanarischen Inseln. Im Anaga in feuchten Waldrandlagen zu finden – selten, klein, unscheinbar. März bis Mai.
Anaga-Zistrose (Cistus osbaeckiifolius): Endemische Zistrosenart des Anaga-Gebirges, an lichten Waldrändern und Heideflächen. Weiße Blüten mit gelbem Zentrum.
Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia regis-jubae): An der Küste und in tieferen Lagen des Anaga dominant – bildet dichte Bestände auf offenen, sonnigen Hängen.
Anaga-Storchschnabel (Geranium anagae): Winzige Geranie, endemisch für das Anaga, in feuchten Waldstellen.

Moose, Farne und die grüne Unterwelt
Der Anaga-Lorbeerwald ist auch wegen seiner unglaublichen Moosvielfalt berühmt. Über 200 Moosarten wurden im Anaga dokumentiert – mehr als in manchen europäischen Ländern insgesamt. Besonders spektakulär ist die Wurzelnde Kettenfarn (Woodwardia radicans): Ein bis 2,5 Meter großer Farn, der hängend aus Felswänden und Baumästen wächst und dem Wald seinen prähistorischen Charakter gibt.
Dazu kommen der Efeufarn (Asplenium hemionitis) mit seinen herzförmigen Blättern, der Kanarischer Hasenpfotenfarn (Davallia canariensis) auf Felsen und Baumstämmen und Dutzende weiterer Farnarten. Die Moosschichten können 10–15 Zentimeter dick werden und bedecken Steine, Borken und Totholz flächendeckend.

Botanik-Tipp: Wann und wo suchen?
Oktober bis April: Kanaren-Glockenblume in Blüte, Moose am saftigsten. März bis Mai: Teneriffa-Orchidee und Anaga-Veilchen. Für Farne: ganzjährig, am üppigsten in der Regenzeit (November–März). Beste Spots: El Pijaral (Genehmigung!), Chinobre Rundwanderung, feuchte Waldränder rund um Cruz del Carmen.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
Praktische Tipps
- Glockenblume: Oktober–April, früh morgens für bestes Licht
- Anaga-Veilchen: Feuchte, schattige Waldlagen – sehr selten und klein
- Orchidee: März–Mai, an Waldrändern nahe Cruz del Carmen
- Bestes Spot: Chinobre Rundwanderung oder Wälder zwischen Chamorga und El Draguillo für Glockenblume und Moose
- El Pijaral: Höchste Artendichte – Genehmigung nötig (tenerifeon.es)
- Makro-Tipp: Weitwinkel-Objektiv für Farne, Makro für Moose und Veilchen
Fazit
Das Anaga-Gebirge ist Teneriffas botanischer Schatz: Kanaren-Glockenblume, Anaga-Veilchen, Teneriffa-Orchidee und über 200 Moosarten – auf einem einzigen Gebirge. Wer mit offenen Augen durch den Lorbeerwald geht, entdeckt eine Pflanzenwelt, die es so nur hier gibt.
Häufige Fragen
Oktober bis April, am üppigsten Dezember bis Februar. Im Sommer nur Laub.
Fast überall im Lorbeerwald, besonders gut auf der Chinobre Rundwanderung und in den Wäldern zwischen Chamorga und El Draguillo.
Ja – die seltene Orchis canariensis (Teneriffa-Orchidee) wächst in feuchten Waldrandlagen. Blütezeit März bis Mai.
Woodwardia radicans – ein bis 2,5 Meter großer, hängend wachsender Farn, der dem Lorbeerwald seinen prähistorischen Charakter gibt. Im Anaga häufig an feuchten Felswänden.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


