Der Drachenbaum – uralte Silhouette im östlichen Anaga
Kein Baum Teneriffas ist so ikonisch wie der Drachenbaum (Dracaena draco). Mit seiner charakteristischen, schirmförmigen Krone, der silbrig-grauen Borke und dem blutroten Harz, das ihm den Namen gab, ist er eines der eindrücklichsten Naturdenkmäler der Kanaren. Im Anaga-Gebirge wachsen die wildesten und ältesten Exemplare der Insel – an Steilhängen, in Barrancos, auf Felsvorsprüngen. In Chamorga, dem östlichsten Dorf des Anaga, stehen Drachenbäume zwischen verwitterten Steinhäusern wie lebende Wächter.
Drachenblut-Harz, Guanchen-Legenden, ein möglicherweise tausendjähriger Lebenszyklus: Der Drachenbaum ist nicht nur Pflanze, er ist Mythos. Dieser Artikel erklärt, was ihn biologisch einzigartig macht, warum die Ureinwohner ihn verehrten – und wo man die schönsten Exemplare im Anaga findet.

Biologie: Was den Drachenbaum so einzigartig macht
Dracaena draco gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) – ist also entfernt mit dem Gartenspargel verwandt, sieht aber aus wie ein Produkt fremder Welten. Die Pflanze wächst ohne erkennbare Jahresringe, was die Altersbestimmung schwierig macht. Schätzungen für die ältesten bekannten Exemplare auf den Kanaren reichen von einigen hundert bis potenziell über 1.000 Jahren.
Das Drachenblut (Sangre de Drago) – das rote Harz, das aus Verletzungen der Borke austritt – hat seit der Antike medizinische und rituell Verwendung gefunden. Phönizier, Römer, Guanchen: Alle schätzten es als Heilmittel, Farbstoff und rituelles Material. Heute wird es noch in der traditionellen Medizin Lateinamerikas und Asiens verwendet.
Wachstum und Lebenszyklus
Der Drachenbaum wächst extrem langsam – in den ersten Jahren kaum erkennbar, dann zunehmend schneller. Die charakteristische Schirmkrone entsteht erst nach der ersten Blüte (ca. 10–15 Jahre), wenn der Stamm sich verzweigt. Jede weitere Blüte erzeugt eine neue Verzweigung – so lässt sich das relative Alter eines Baums grob an der Anzahl der Verzweigungen ablesen.

Drachenbäume im Anaga: Vorkommen und beste Spots
Die wildesten Drachenbaum-Bestände des Anaga findet man rund um Chamorga: An den Steilhängen des Barranco de Chamorga, auf Felszungen und in den Gärten der wenigen Bewohner wachsen Drachenbäume, die mit keinem Parkexemplar vergleichbar sind. Keine Beschneidung, keine Pflege – nur Fels, Wind und Zeit.
Weitere Standorte: Taganana (Steilhänge über dem Dorf), Almáciga (Küstenhänge), El Draguillo (vereinzelte Exemplare an Felskanten). Wer mit dem Auto auf der TF-123 von El Bailadero Richtung Chamorga fährt, sieht an den Steilhängen immer wieder einzelne Drachenbäume.
Der Berühmteste: Der Drago de Icod
Das berühmteste Exemplar Teneriffas steht nicht im Anaga, sondern in Icod de los Vinos an der Nordwestküste: der Drago Milenario, dem man ein Alter von bis zu 1.000 Jahren zuschreibt.

Drachenbäume und die Guanchen
Für die Guanchen – die Ureinwohner Teneriffas – war der Drachenbaum heilig. Das Drachenblut wurde für Einbalsamierungen, Rituale und Waffenfärbungen verwendet. Guanchen-Siedlungen lagen oft in der Nähe von Drachenbaumbeständen, und das Fällen eines alten Baums galt als Sakrileg. In Chamorga, wo die Guanchen-Kultur am längsten überlebte, spürt man diese Verbindung noch heute.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
Praktische Tipps
- Chamorga: Beste Anaga-Drachenbäume – an Steilhängen und in Dorfgärten
- TF-12 Kammstraße: Einzelexemplare sichtbar – Anhalten an Aussichtspunkten
- Früh anreisen: Morgenlicht auf den Baumkronen ist fotografisch einzigartig
- Kombination: Chamorga + PR-TF 6.1 zum Faro de Anaga
- Drachenblut: Pflanze ist geschützt – nicht verletzen
Fazit
Der Drachenbaum ist das lebende Wappentier des Anaga – uralt, wild, unberührt. Wer die Exemplare in Chamorga sieht, versteht, warum die Guanchen diesen Baum verehrten. Kein Ausflugsziel, kein Parkbaum: echte Wildnis auf Teneriffa.
Häufige Fragen
Schätzungen reichen von mehreren hundert bis potenziell über 1.000 Jahre. Da Dracaena draco keine Jahresringe bildet, ist eine genaue Altersbestimmung schwierig.
Das rote Harz, das aus Verletzungen der Borke austritt. Seit der Antike als Heilmittel, Farbstoff und rituelles Material verwendet.
In und um Chamorga – an den Steilhängen des Barranco de Chamorga und in den Dorfgärten. Wilder und eindrücklicher als alle Parkexemplare.
Nein – Dracaena draco ist geschützt. Drachenblut-Harz darf nicht geerntet werden.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


