9 Millionen Jahre – wie das Anaga-Gebirge entstand

Für Teneriffa-Besucher ist die Geologie meist unsichtbar. Man sieht Lorbeerwald, Barrancos, Felsnadeln – aber versteht nicht warum sie so aussehen. Dieser Artikel macht die Geologie des Anaga-Gebirges sichtbar: Warum ist das Anaga so alt? Warum sind die Schluchten so tief? Warum haben manche Felsen eine rote Farbe? 9 Millionen Jahre Geschichte in einem kompakten Reise-Artikel.

Felsformationen im Anaga-Gebirge auf Teneriffa
Felsformationen im Anaga-Gebirge auf Teneriffa

Das älteste Stück Teneriffas

Teneriffa ist kein Monolith – sie ist das Ergebnis von vier verschiedenen Vulkanzentren in unterschiedlichen geologischen Epochen:

Anaga-Massiv (Nordosten): 8–9 Millionen Jahre alt. Das älteste. Heute stark erodiert.

Teno-Massiv (Nordwesten): Ca. 6–7 Millionen Jahre alt. Ähnlich erodiert.

Adeje-Massiv mit Roque del Conde (Südwesten): ca. 6,1 Mio. Jahre

Cañadas-Zentrum / Teide (Mitte): Ca. 3 Millionen Jahre bis heute aktiv. Das jüngste und höchste. Füllte die Zwischenräume zwischen den drei alten Massiven mit Lava und vulkanischem Material auf.

Der Teide ist laut UNESCO-Welterbe der dritthöchste Vulkan der Erde – aber das Anaga ist der älteste Teil der Insel. Was bedeutet das? Das Anaga hatte mehr Zeit, um vom Meer und vom Regen abgetragen zu werden – deshalb ist es heute kein 2.000-Meter-Massiv mehr, sondern ein erodiertes Rumpfgebirge mit einem Höchstpunkt von nur 1.024 m.

die zerklüftete Bergwelt des Anaga
die zerklüftete Bergwelt des Anaga

Wie ein Vulkan zu einem Wald wird

Vor 8–9 Millionen Jahren wuchsen auf dem Atlantikboden Basaltschichten übereinander – Unterwasservulkanismus, der schließlich die Wasseroberfläche durchbrach und eine Insel bildete. Der Nordostpassat brachte von Anfang an Feuchtigkeit aus dem Atlantik an die Nordhänge – und schuf die Bedingungen für ein Mikroklima, das den Lorbeerwald ermöglichte.

Seit der Entstehung haben Erosion, Regen und Meer das Anaga abgetragen: Die ursprünglichen Vulkankegel sind längst verschwunden. Was übrig blieb, sind die härtesten Gesteinsmassen – Basaltintrusionen, Phonolithlakkolithe, Los Roques de Anaga als Basaltplutons.

bewaldeter Bergkamm im Anaga
bewaldeter Bergkamm im Anaga

Die Barrancos: Erosion als Landschaft

Die tiefen Schluchten (Barrancos) des Anaga sind das eindrücklichste Ergebnis von Jahrmillionen Erosion. Regen schnitt in das Vulkangestein ein – anfangs langsam, dann immer tiefer entlang von Verwerfungslinien. Barranco de Afur, Barranco de Taganana, Barranco de Chamorga: Alle folgen geologischen Schwächezonen.

Die Tiefe dieser Schluchten erklärt das Mikroklima: Feuchtigkeit staut sich im Barranco, Temperaturen sind kühler, Vegetation dichter. Wo der Barranco am tiefsten und schattigsten ist, wächst der artenreichste Lorbeerwald.

Wasserbecken im Barranco del Río
Wasserbecken im Barranco del Río

Was man beim Wandern sieht: Gesteinstypen

Schwarzer Basalt: Das häufigste Gestein. Dunkel, schwer, hart. Klippen, Felsnadeln, Wanderwegoberflächen.

Heller Phonolith: Klingt beim Anschlagen metallisch. In Kammlagen gelegentlich.

Poröser Tuff: Aus Asche und Lapilli. In Barrancos – deshalb konnten die Guanchen Höhlen graben (Chinamada).

Rote Oxidationslava: Eisenoxid im Basalt. Roque Bermejo hat sie – einzigartig im Anaga.

Basaltformationen im Anaga
Basaltformationen im Anaga

Praktische Tipps

Fazit

Das Anaga-Gebirge ist ein lebendiges Geologie-Lehrbuch: 9 Millionen Jahre Vulkanismus, Erosion und Aufbau in einem wanderbaren Terrain. Schwarzer Basalt, poröser Tuff, rote Oxidationslava – jeder Stein erzählt eine Geschichte.

Häufige Fragen

Wie alt ist das Anaga-Gebirge?

8–9 Millionen Jahre – das älteste Massiv Teneriffas und eines der ältesten der Kanarischen Inseln.

Warum hat das Anaga tiefe Schluchten?

Jahrmillionen Regen-Erosion entlang geologischer Verwerfungslinien im Vulkangestein.

Was sind Los Roques de Anaga?

Basaltplutons – härtere Gesteinsmassen, die nach dem Abtrag des umgebenden Felsens als Felsnadeln übrig blieben.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026