Teneriffas grüne Seele – das Anaga-Gebirge im Porträt
Im Nordosten Teneriffas, wo die Insel spitz ins Meer läuft, liegt das Anaga-Gebirge – 8–9 Millionen Jahre alt, seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat und heute das eindrücklichste Stück Wildnis auf einer Insel, die man allzu leicht mit Strandinfrastruktur gleichsetzt. Hier wächst der letzte Lorbeerwald Europas (Laurisilva), über eintausend Meter hoch über dem Atlantik, feucht, nebelverhangen, urwaldartig.
Das Anaga ist nicht eine Sehenswürdigkeit unter vielen – es ist Teneriffas Kern: geologisch, ökologisch, kulturell. Wer das Anaga kennt, versteht die Insel.

Geographie: Was das Anaga ausmacht
Das Anaga-Massiv erstreckt sich über ca. 47.000 Hektar im Nordosten Teneriffas. Höchster Punkt: Pico del Inglés (920 m) auf dem Kamm der TF-12. Die Kammstraße TF-12 ist die Hauptader des Gebirges – von La Laguna bis Chamorga (dem östlichsten Punkt der Insel) ca. 30 Kilometer Serpentinen und Lorbeerwald.
Das Gebirge trennt eine Nordseite (feucht, nebelig, mit schwarzen Stränden, Schluchten und dichten Lorbeerwäldern) von einer Südseite (trockener, sonniger, mit Blick auf Santa Cruz und die Ostküste). Diese Dualität in einem einzigen Gebirge ist einzigartig auf den Kanaren.

Geschichte & Kultur: 2.000 Jahre Besiedlung
Die Guanchen – Ureinwohner Teneriffas berber-nordafrikanischer Herkunft – siedelten im Anaga seit mindestens dem 6. Jahrhundert vor Christus. Ihre Spuren sind bis heute sichtbar: Höhlenwohnungen in Chinamada, Terrassenfelder in Afur und Taganana, der heilige Fels Roque de Anambro auf der Chinobre-Wanderung. Das Anaga war ihr letztes Rückzugsgebiet gegen die spanische Conquista.
Taganana (gegründet 1501) ist das älteste Dorf Teneriffas. Chinamada mit seinen in den Tuffstein gegrabenen Höhlenwohnungen ist das ungewöhnlichste. Chamorga ist das entlegenste. Zwischen diesen Dörfern: ein Gebirge, das sich verändert hat – aber nur wenig.

Natur & Flora: Warum das Anaga einzigartig ist
Die Laurisilva (Lorbeerwald) des Anaga ist ein direkter Nachkomme der Tertiärvegetation – der Wälder, die vor 40 Millionen Jahren Europa bedeckten und durch die Eiszeiten beinahe ausgestorben wären. Die Kanarischen Inseln waren Refugium: Hier überlebte der Lorbeerwald, weil die Inseln zu mild und zu isoliert waren, um von den Eiszeitgletschern erreicht zu werden.
Heute beherbergt das Anaga: über 200 Moosarten, den Wurzelnden Kettenfarn (Woodwardia radicans) aus dem Tertiär, die Lorbeertaube (eine der seltensten Tauben Europas), die Kanaren-Glockenblume (Canarina canariensis) in Winter-Vollblüte, endemische Eidechsen (Gallotia galloti insulanagae) und über 1.000 Gefäßpflanzenarten.

Wandern im Anaga: Das Wichtigste in Kürze
Das Anaga bietet über 20 markierte Wanderwege von 1 km bis 13,2 km. Schwierigkeitsgrade: leicht bis schwer. Einstiegspunkte: Cruz del Carmen, Chamorga, Afur, Punta del Hidalgo, Taborno. Keine Genehmigung nötig – außer für El Pijaral (45 Pers./Tag) und Monte de Aguirre (20 Pers./Tag) über tenerifeon.es.

Strände: Schwarz, wild, unvergesslich
Die Anaga-Küste bietet keine Urlaubsstrände – sie bietet echte Natur. Playa de Benijo mit den Roques de Benijo beim Sonnenuntergang: das ikonischste Bild. Playa de Antequera: nur per Boot oder 4h-Wanderung erreichbar. Playa de Las Teresitas: der einzige Sandstrand am Anaga-Eingang, mit Saharasand und Rettungsschwimmer.

Essen & Trinken: Das Beste des Anaga
Papas arrugadas con Mojo, Conejo en Salmorejo, Ziegenkäse mit Mojo rojo und ein Glas Listán Negro aus einem Guachinche in Tegueste: das ist das Anaga auf dem Teller. Die besten Restaurants: La Cueva (Chinamada), Casa África (Roque de las Bodegas), El Frontón (Las Carboneras).

Anreise & Planung
Auto: TF-12 ab La Laguna oder San Andrés. Bus: TITSA 273/275 ab La Laguna. Beste Zeit: Oktober–April. Genehmigungen: tenerifeon.es (El Pijaral & Monte de Aguirre).
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
Fazit
Das Anaga-Gebirge ist Teneriffas grüne Seele: 9 Millionen Jahre Vulkangeschichte, der letzte Lorbeerwald Europas, Guanchen-Dörfer aus dem 16. Jahrhundert und schwarze Stränden am Ende der Welt.
Häufige Fragen
Das älteste Massiv Teneriffas (8–9 Mio. Jahre) im Nordosten der Insel. Seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Heimat des letzten Lorbeerwalds Europas, zahlreicher endemischer Arten und traditioneller Bergdörfer.
Ja – frei zugänglich. Nur für El Pijaral und Monte de Aguirre ist eine kostenlose Genehmigung über tenerifeon.es nötig.
Mit dem Auto über die TF-12 ab La Laguna (20 Min. bis Cruz del Carmen). Mit Bus TITSA 273 / 275 ab La Laguna. Für Chamorga und Afur ist ein Auto sinnvoll.
Oktober bis April: grünster Wald, Kanaren-Glockenblume in Blüte, angenehme Temperaturen, wenig Betrieb.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


