Los Batanes und Bejia – das vergessene Anaga mit seinen legendären Seilzügen
Los Batanes und Bejia sind zwei abgelegene Siedlungen im Anaga-Gebirge. Man erreicht sie über eine schmale Straße und über Wanderwege, die alten Caminos Reales. Was sie berühmt macht: die historischen Seilzüge, mit denen die Bewohner Güter, Lebensmittel und Tiere die senkrechten Schluchtwände hinauf- und hinabschaffen. Einige dieser Seilkonstruktionen sind bis heute in Betrieb.
Wer Los Batanes und das höher gelegene Bejia besucht, betritt eine Welt, die die Moderne größtenteils übersehen hat. Das ist nicht romantisch gemeint – es ist buchstäblich so. Die Seilzüge sind kein Museum, sondern gelebter Alltag. Sie sind das eindrücklichste Zeugnis einer Berglandwirtschaft, die sich der Geografie angepasst hat, statt sie zu verändern.

Das Erbe des Flachses – woher der Name stammt
Der Name „Batán“ ist kein Zufall. Er leitet sich vom spanischen Wort für eine Walkmühle ab – und verweist auf den historischen Kern dieses Tals: Bis ins 19. Jahrhundert war diese Schlucht das Zentrum der Leinenproduktion auf Teneriffa. In den wasserreichen Barrancos wurde Flachs angebaut, verarbeitet und veredelt.
Die namensgebenden Batanes waren wasserbetriebene Hammerwerke, die gewebte Stoffe klopften und walzten, um sie weich und geschmeidig zu machen. Ein stilles Zeugnis einer Industrie, von der kaum jemand noch weiß.
Was geblieben ist, geht über die Mühlen hinaus: Das Netz aus offenen Steinkanälen – den Atarjeas – zieht sich noch immer durch die Hänge und bildet bis heute die Lebensgrundlage der Bewohner. Ähnlich wie die berühmten Levadas auf Madeira verlaufen diese Kanäle oft entlang steiler Felswände und sind ein lebendiges Denkmal historischer Ingenieurskunst – funktional, präzise, unersetzt.
Die Seilzüge: Ein einzigartiges Kulturgut
Die Teleféricos rurales – wie die Seilzüge auf Kanarisch genannt werden – sind einfache Konstruktionen: Ein Seil zwischen zwei Punkten (oben am Kammweg, unten im Barranco), mit einer Plattform oder einem Korb, der per Handkurbel oder Schwerkraft bewegt wird. Was simpel klingt, ist ingenieurtechnisch clever: Es erlaubt den Transport schwerer Lasten auf Strecken, die sonst nur zu Fuß begehbar wären.

In Los Batanes und Bejia sind mehrere dieser Seilzüge noch aktiv. Man kann sie beobachten – und sollte das tun, ohne zu stören. Die Bewohner nutzen sie für Ernte, Baumaterial und Alltagsgüter. Besucher sind willkommen zuzuschauen, aber die Seilzüge sind Arbeitsmittel, keine Touristenattraktionen.
Batán de Abajo, Batán de Arriba & Bejia
Der Ort Los Batanes gliedert sich in zwei Teile: El Batán de Abajo (unten, an der Talsohle des Barranco del Río) und El Batán de Arriba (oben, terrassenartig an den Hängen). Bejia liegt in einem benachbarten Talbecken und ist der abgelegenste der drei Weiler. Die Kombination aus Höhlenwohnungen – in den Fels geschlagene Räume – und Steinbauten, die direkt aus dem anstehenden Basalt errichtet wurden, ist architektonisch einzigartig. Alle drei zusammen bilden eine Siedlungslandschaft, die so in Europa kaum noch zu finden ist. Die Region ist bekannt für die steilen Terrassenfelder, auf denen unter extremen Bedingungen Wein, Kartoffeln und Obst für den Eigenbedarf angebaut werden.

Anreise:
Los Batanes und Bejia sind über eine schmale Bergstraße TF-143 mit dem Auto erreichbar. Die Zufahrt ist eng und kurvenreich – nichts für große Fahrzeuge oder ungeübte Fahrer. Die Buslinie Titsa 274 ab La Laguna fährt nach Los Batanes. Wer die Siedlungen tiefer im Barranco erkunden möchte, ist auf die Wanderwege angewiesen. Die häufigsten Zugänge zu Fuß:
Ab Cruz del Carmen: Über die Route Cruz del Carmen – Chinamada – Los Batanes. (12,9 km, schwer).
Ab Punta del Hidalgo: Rundwanderung Punta del Hidalgo – Los Batanes (12,3 km, schwer)
Ab Pico del Inglés: Über El Batán nach Punta del Hidalgo.
Alle Zugangswege sind als schwer klassifiziert und für Tagesausflüge ausreichend Zeit einplanen.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.

Praktische Tipps
- Seilzüge beobachten, nicht berühren – Arbeitsmittel der Bewohner
- Wanderung Ab Cruz del Carmen oder Ab Punta del Hidalgo für den Zugang – beide schwer, volle Tageslänge
- Früh starten: Spätestens 8:30 Uhr – lange Wanderrouten
- Verpflegung: Für den gesamten Tag mitnehmen – Bar Mi Pueblo in Batan de Abajo nur am Wochenende geöffnet
- GPS offline: Kein Mobilfunk in den Barrancos rund um El Batán
Fazit
El Batán und Los Batanes sind das unbekannte Herzstück des Anaga: abgeschieden, authentisch, mit lebenden Seilzügen als einzigartigem Kulturgut. Wer die schwere Wanderung auf sich nimmt, wird mit einem Blick in ein Anaga belohnt, das kaum jemand kennt.
Häufige Fragen
Ja – eine schmale Bergstraße TF-143 führt ins Dorf. Die Zufahrt ist eng und kurvenreich, Parkplätze sind begrenzt. Früh ankommen empfiehlt sich.
Teleféricos rurales – einfache Seilkonstruktionen für den Gütertransport an steilen Schluchthängen. Noch immer aktiv, kein Museum.
Ab Cruz del Carmen ca. 5–6 Stunden für die Rundwanderung. Ab Punta del Hidalgo ca. 5 Stunden.
Von den wasserbetriebenen Walkmühlen (Batanes), die hier bis ins 19. Jahrhundert für die Leinenproduktion genutzt wurden. Das Tal war das Zentrum der Flachsverarbeitung auf Teneriffa.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


