Leben in Stein gemeißelt – das Höhlendorf Chinamada im Anaga
Chinamada ist das faszinierendste Dorf Teneriffas – und eines der ungewöhnlichsten Dörfer Europas. Nicht wegen seiner Lage, nicht wegen seiner Geschichte, sondern wegen seiner Häuser: Die Wohnräume von Chinamada sind in den Fels gehauen. Tuffsteinhöhlen, die seit dem 16. Jahrhundert als Wohnstätten dienen – heute mit Strom, Wasser und Internet, aber immer noch in demselben Fels, in demselben Barranco, mit demselben unglaublichen Blick auf die Nordküste Teneriffas.
Chinamada ist kein Freilichtmuseum. Es ist ein echtes, bewohntes Dorf – klein, still und absolut authentisch. Wer hierher kommt, begegnet dem Anaga von seiner menschlichsten Seite: einer Lebensweise, die sich der Moderne angepasst hat, ohne ihr Wesen zu verlieren.

Geschichte: Wie Chinamada entstand
Die Geschichte Chinamadas reicht bis zur Conquista im frühen 16. Jahrhundert zurück. Nach der Unterwerfung der Guanchen siedelten sich die ersten spanischen Bewohner in den schwer zugänglichen Barrancos des Anaga an – und nutzten die weichen Tuffsteinfelsen als natürliche Baustoffquelle. Höhlen waren einfacher zu graben als Häuser zu bauen, boten stabile Temperaturen und schützten vor dem Wind.
Über Generationen wurden die Höhlenräume erweitert, verbessert, miteinander verbunden. Im 20. Jahrhundert kamen Strom und Wasser. Heute haben die Höhlenwohnungen alle Annehmlichkeiten moderner Häuser – mit dem Unterschied, dass ihre Wände Fels sind und nicht Beton.

Wie viele Menschen leben noch in Chinamada?
Die genaue Einwohnerzahl schwankt, liegt aber bei schätzungsweise 15–30 Personen – überwiegend ältere Bewohner, die ihr Leben lang hier gelebt haben. Einige Häuser werden als Ferienwohnungen vermietet. Das Dorf lebt, aber leise.
Die Höhlenwohnungen heute: Was man sieht
Wer durch Chinamada läuft, sieht zunächst wenig Ungewöhnliches: ein schmaler Dorfweg, Blumenkästen, eine Katze auf dem Fenstersims. Dann fällt es auf: Die Fensterbänke sind aus Fels. Die Türen führen nicht in gebaute Häuser, sondern in die Felswand dahinter. Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer – alles tief im Tuffstein.
Es gehört sich, Abstand zu halten. Die Bewohner sind keine Attraktion, und Chinamada ist kein Freilichtpark. Der Dorfweg ist öffentlich, die Wohnhöhlen sind privat. Wer respektvoll schaut und nicht fotografiert, wenn Menschen im Bild sind, ist willkommen.

Mirador Aguaide: Der Aussichtspunkt über dem Dorf
Oberhalb von Chinamada liegt der Mirador Aguaide – ein Aussichtspunkt mit dem wohl eindrücklichsten Blick auf den Barranco de Chinamada und die Nordküste. Von hier aus sieht man das Dorf eingebettet in den Fels, die Terrassenfelder, das Meer in der Ferne. Morgens mit weichem Licht: eines der besten Fotomotive des gesamten Anaga.

Restaurant La Cueva: Essen im Felsdorf
Das Restaurant La Cueva in Chinamada ist eine Höhle – natürlich. Die Gaststätte dient seit Jahren als einzige Einkehrmöglichkeit im Ort und serviert einfache kanarische Küche: Papas arrugadas, Mojo, Käse, gelegentlich Fleischgerichte. Die Atmosphäre ist unvergleichlich: Felswände, rustikale Möbel, Blick auf den Barranco. Öffnungszeiten variieren – Mittag an Wochenenden am verlässlichsten.

Anreise nach Chinamada: Auto und Wanderweg
Auto: Über die TF-12 (Kammstraße) mit Abzweigung über TF-145 Richtung Chinamada. Kleiner Parkplatz am Dorfeingang, oft voll. Früh kommen oder am Dorfrand parken.
Wanderweg: Chinamada ist beliebtes Ziel der klassischen Strecke Cruz del Carmen – Chinamada – Punta del Hidalgo. Per Wanderweg ist der Abstieg von Chinamada nach Punta del Hidalgo ca. 4–5 km.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
Praktische Tipps
- Respekt: Chinamada ist ein bewohntes Dorf – nicht fotografieren ohne Erlaubnis der Bewohner
- Mirador Aguaide: Morgens für weiches Licht auf Barranco und Dorf
- Restaurant La Cueva: Mittags an Wochenenden am zuverlässigsten geöffnet
- Parkplatz: Klein – früh anreisen oder am Rand parken
- Wanderweg: Cruz del Carmen → Chinamada → Punta del Hidalgo ideal für Streckenwanderer
- Kombination: Chinamada + Wanderung Punta del Hidalgo an einem Tag
Fazit
Chinamada ist einzigartig auf Teneriffa – und in Europa. Ein Dorf, das nicht gebaut, sondern gemeißelt wurde. Wer hierher kommt und mit Respekt durchläuft, erlebt eine Lebensweise, die kein Museum und kein Reisebüro nachbauen kann. Das echte Anaga, in Stein.
Häufige Fragen
Nein – Chinamada ist ein echtes, bewohntes Dorf. Die Bewohner sind Privatpersonen, keine Schauspieler. Respektvoller Besuch ist selbstverständlich.
Ja – Restaurant La Cueva. Geöffnet besonders mittags an Wochenenden. Kanarische Küche in einem echten Höhlenraum.
Mit dem Auto über die TF-12 (Kammstraße) oder zu Fuß auf dem Wanderweg ab Cruz del Carmen (ca. 5,5 km bergab). Kein Bus.
Einige Höhlenwohnungen werden als Ferienwohnungen vermietet – Suche über lokale Plattformen empfohlen.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


