Afur – das terrassierte Bergdorf am Rand der Schlucht
Afur ist ein einsames Dorf im Anaga-Gebirge. Weniger als siebzig Einwohner, kein Supermarkt, ein kleiner Parkplatz. Das Dorf hängt an einer steilen Barranco-Flanke wie eine Schwalbe am Fels. Rundum: Schluchten, Terrassenfelder, Stille.
Was Afur über seine Einsamkeit hinaus besonders macht: die Terrassenfelder, die die Schluchthänge wie ein grünes Treppenwerk hinaufklettern – noch immer bewirtschaftet, noch immer Zeugnis einer Landwirtschaft, die vor der Conquista begann. Und der Zugang zur Playa Tamadite – dem schwarzen Lavastrand tief im Barranco, den man nur zu Fuß erreicht.

Das Dorf: Terrassenfelder und Seilzüge
Die Terrassenfelder von Afur sind ein visuelles Highlight des Anaga: Stufe für Stufe, von der Schlucht bis fast zum Kamm, bewirtschaftet mit Tomaten, Bananen, Kartoffeln und gelegentlich Wein. Die ältesten dieser Terrassen gehen auf die Guanchen-Zeit zurück – vor der europäischen Besiedlung.
Neben den Feldern: Seilzüge. Einfache Seilkonstruktionen, mit denen Güter und Erntemengen die steilen Hänge hinauf- und hinunterbefördert werden – noch immer genutzt, noch immer funktionsfähig. Wer einen beim Transport zuschauen darf, erlebt ein Stück Anaga-Alltag, das nur wenige sehen.

Unter 70 Einwohner: Das stille Leben in Afur
Die Einwohnerzahl Afurs schwankt saisonal, liegt aber dauerhaft unter siebzig. Viele der jüngeren Generationen sind in die Städte gezogen – nach La Laguna und Santa Cruz. Was geblieben ist: ältere Bewohner, die auf ihren Terrassen arbeiten, eine Handvoll Kinder, ein Dorfleben, das sich selbst genügt.
Casa José Cañón – Einkehr mit Geschichte
Mitten im Dorf steht die Casa José Cañón – für viele Wanderer der natürliche Zwischenstopp auf dem Weg zur Playa Tamadite oder das verdiente Endziel nach dem Aufstieg aus dem Barranco. José Cañón führte hier über sechzig Jahre lang seine legendäre Venta: ehemals Dorfladen, heute Bar und soziales Herz von Afur.
Es gibt einen lokalen Weißwein, Bier, Ziegenkäse – und wenn José da ist, Geschichten, die kein Reiseführer kennt. Das Innere des Hauses ist ein kleines Museum aus Jahrzehnten: Spirituosenflaschen aus aller Welt, verstaubt und stumm, jede eine Begegnung mit einem Durchreisenden. Das Haus steht heute symbolisch für das „verschwindende“ Anaga. Für die Einwohner von Afur ist José eine Identifikationsfigur, die den Stolz der „Anagueros“, der Bergbewohner, verkörpert.
Playa Tamadite: Das Ziel am Ende des Barranco
Afur ist der Startpunkt für die Wanderung zur Playa Tamadite – einem schwarzen Lavastrand tief im Barranco de Afur, der nur zu Fuß erreichbar ist. 5,2 Kilometer, leicht, ca. 2,5 Stunden. Der Abstieg führt durch die Schlucht, vorbei am Sabinar-Wald (alte Wacholderbäume) und endet am menschenleeren Strand. Kein Rettungsschwimmer, starke Strömung.

Anreise nach Afur
Mit dem Auto: TF-12 (Kammstraße) Abzweigung auf TF-136, dann weiter über enge Bergstraßen nach Afur. Parkplatz im Dorf sehr klein (ca. 6–8 Fahrzeuge) – vor 9:00 Uhr ankommen. Mit dem Bus: TITSA 076 ab La Laguna – Fahrplan prüfen.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.

Praktische Tipps
- Parkplatz: Extremfrühstart – vor 8:30 Uhr, sonst kein Platz
- Playa Tamadite: Wanderung ab Afur morgens starten – Strand in der Früh leer
- Seilzüge: Beobachten, nicht anfassen – Arbeitsmittel der Dorfbewohner
- Bus: TITSA 076 ab La Laguna – Fahrplan vorab auf titsa.com prüfen
- Keine Verpflegung vor Ort, nur Casa José Cañón – Öffungszeiten prüfen! Besser alles mitbringen
- Kombination: Afur + Taganana-Mittagessen an einem Tag
Fazit
Afur ist eines der kleinsten und abgelegensten Dörfer Teneriffas – und eines der eindrücklichsten. Terrassenfelder, Seilzüge, schwarzer Strand am Ende der Schlucht. Wer früh genug kommt, hat Dorf, Barranco und Strand ganz für sich.
Häufige Fragen
Weniger als 70 – eines der kleinsten und abgelegensten Dörfer Teneriffas.
Einfache Seilkonstruktionen für den Gütertransport an den steilen Schluchtflanken – noch immer in Betrieb, ein lebendiges Kulturerbe.
Wanderung: 5,2 km, leicht, ca. 2,5 Stunden.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


