Hinter der letzten Kurve – Chamorga am Ende der Welt

Chamorga liegt am Ende der Welt – oder zumindest am Ende der TF-123. Dahinter gibt es keine asphaltierte Straße mehr, keinen nächsten Ort, keine Tankstelle. Nur noch Lorbeerwald, Felsklippen und der Atlantik. Das östlichste bewohnte Dorf Teneriffas hat vielleicht dreißig Einwohner, keinen Supermarkt, nur die kleine Bar „Casa Álvaro” – und trotzdem zieht es Menschen aus ganz Europa an, die nach dem Ende des Bekannten suchen.

Wer Chamorga betritt, braucht einen Moment. Es ist nicht schön im klassischen Touristensinn. Es ist rau, windgepeitscht, archaisch. Drachenbäume zwischen verwitterten Steinhäusern, Ziegengeräusche aus dem Unterholz, ein Parkplatz mit zwölf Plätzen. Aber genau das macht Chamorga zu einem der authentischsten Orte der Insel.

der Leuchtturm Faro de Anaga
der Leuchtturm Faro de Anaga

Das Dorf: Was Chamorga ausmacht

Chamorga ist kein Fischerdorf und kein Bergdorf im klassischen Sinne – es ist ein Ausgangsdorf, ein letzter Vorposten. Die Häuser sind klein, die Gärten wild. Drachenbäume (Dracaena draco) wachsen zwischen den Steinen – manche davon alt genug, um die spanische Kolonisierung gesehen zu haben. Die Stille, die hier herrscht, ist eine, die man in Europa kaum noch findet.

Ein Dorf ohne Shop, ohne WLAN-Hotspot. Wer nach Chamorga kommt, muss alles mitbringen. Und wer alles mitbringt – Wasser, Verpflegung, Zeit – bekommt dafür das Anaga in seiner reinsten Form.

Ausblick auf Chamorga
Ausblick auf Chamorga

Die Drachenbäume von Chamorga

Nirgendwo auf Teneriffa sind Drachenbäume (Dracaena draco) so präsent wie in Chamorga. Sie stehen überall: in Hausgärten, auf Felszungen über dem Barranco, an Wegrändern. Einige sind sehr alt – die knorrigen Stämme und verzweigten Kronen deuten auf Hunderte von Jahren. Kein Parkexemplar, kein touristischer Baumgarten – echt Anaga.

Chamorga als Wanderstartpunkt

Chamorga ist vor allem als Startpunkt für Wanderungen bekannt: Faro de Anaga (PR-TF 6.1, 8,3 km), Große Küstenrunde zum Roque Bermejo (13,2 km, schwer), Montaña de Tafada – alle starten hier. Der Parkplatz am Dorfende mit ca. zwölf Plätzen ist der Ausgangspunkt. Vor 8:30 Uhr anreisen, sonst volle Straße.

Chamorga – Barranco Roque Bermejo
Chamorga – Barranco Roque Bermejo

Kein Café, kein Shop: Worauf man sich einstellen muss

In Chamorga gibt es weder einen Supermarkt noch Trinkwasser am Weg, nur die kleine Bar „Casa Álvaro”. Öffnungszeiten vorher prüfen! Alles muss mitgebracht werden: Wasser, Snacks, Sonnenschutz. Das nächste Restaurant ist in Taganana (ca. 40 Fahrminuten). Wer das vergisst, wandert nüchtern.

Anreise nach Chamorga

Mit dem Auto über die TF-123 von El Bailadero bis zum Dorfende Chamorga. Die Straße ist asphaltiert, aber eng und kurvenreich. Fahrzeit ab Santa Cruz ca. 50–60 Minuten. Busverbindung ab Santa Cruz de Tenerife TITSA Linie 947 – unter der Woche gibt es drei Verbindungen täglich, am Wochenende vier.

🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.

Praktische Tipps

Fazit

Chamorga ist das Ende Teneriffas – und irgendwie auch ein Anfang. Wer hier ankommt, versteht, warum Menschen über Kontinente reisen, um an einem Ort zu sein, an dem es nichts gibt: keinen Shop, kein WLAN, keine Agenda. Nur Drachenbäume, Wind, Fels und der Atlantik.

Häufige Fragen

Was macht Chamorga so besonders?

Die absolute Abgeschiedenheit, die Drachenbäume, die Stille und die Tatsache, dass dahinter kein Ort mehr kommt. Plus: idealer Startpunkt für die eindrücklichsten Wanderungen des Anaga.

Gibt es in Chamorga etwas zu essen?

Kein Restaurant, kein Shop – nur die kleine Bar „Casa Álvaro”. Öffnungszeiten vorher prüfen! Besser alles mitbringen. Nächste Einkehrmöglichkeit in Taganana (ca. 15 Fahrminuten).

Wie groß ist der Parkplatz in Chamorga?

Ca. 12 Fahrzeuge – vor 8:30 Uhr anreisen, sonst voll.

Kann man in Chamorga übernachten?

Gelegentlich gibt es Ferienwohnungen – lokal anfragen. Angebot sehr begrenzt.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026