Die Königstour des Anaga – Große Rundwanderung Chamorga – Faro de Anaga
Die große Rundwanderung Chamorga – Faro de Anaga ist die schwerste und eindrücklichste Tour im gesamten Anaga-Gebirge auf Teneriffa. 13,2 Kilometer, über 1.038 Höhenmeter auf und ab, rund 6 Stunden reine Gehzeit – das ist kein Spaziergang, das ist ein vollständiger Erlebnistag an der östlichsten Spitze der Insel. Leuchtturm, Küstentraverse, der kaum besuchte Roque Bermejo und Lorbeerwalddichte, die ihresgleichen sucht.
Diese Route fordert: Trittsicherheit, gutes Schuhwerk, volle Wasserreserven, einen frühen Start. Sie belohnt: Panoramen auf den Atlantik, Abgeschiedenheit, das Gefühl, ein Stück Teneriffa gesehen zu haben, das kaum jemand kennt. Wer fit ist und einen ganzen Tag Zeit hat, sollte genau diese Runde gehen.
Die Route: Rundwanderung · Länge: 13,2 km · Höhenmeter: ↑1.038 / ↓1.041 hm · Schwierigkeit: Schwer · Dauer: ca. 5:30–6:30 Stunden · Start: Chamorga

Abschnitt 1: Chamorga – Cruz del Draguillo (PR-TF 6.1)
Der erste Abschnitt führt direkt vom Ortseingang Chamorgas in die Höhe. Die Beschilderung weist klar auf den PR TF 6 nach El Draguillo – 2,7 Kilometer entfernt. Was folgt, ist ein steiler Aufstieg durch dichten Baumheide-Buschwald, der schon früh am Morgen das Herz höherschlagen lässt. Ziel ist der Cruz del Draguillo auf 658 Metern, der höchste Punkt der gesamten Runde.

Abschnitt 2: Cruz del Draguillo – El Draguillo – Küste
Der Abstieg nach El Draguillo ist teils steil, teils in Serpentinen, immer durch dichte Lorbeerwälder. Im Frühjahr leuchten die orangefarbenen Blüten der Kanaren-Glockenblumen wie Fackeln aus dem Grün. Von Weitem taucht El Draguillo auf: von Feldern umgeben, bis zur Küste hin geöffnet.
El Draguillo ist das letzte ans Verkehrsnetz angeschlossene Dorf im Norden des Anaga – und verdankt seinen Namen den zahlreichen Drachenbäumen, die hier seit Jahrhunderten wachsen.
Jetzt beginnt die Küstentraverse – und mit ihr der anspruchsvollste Teil der Runde. Gleich zu Beginn warten zwei abschüssige Geröllfelder. Wer trittsicher ist und den Ausblick auf die vorgelagerten Felseninseln genießen kann, wird hier nicht enttäuscht.

Las Palmas de Anaga: Geschichte an der Küste
Nach der Geröllpassage erreicht man die Siedlung Las Palmas auf etwa 150 Metern Höhe – eine der außergewöhnlichsten Stellen des gesamten Anaga. Der Ort ist nur zu Fuß erreichbar, wird aber zeitweise noch bewohnt. Im 17. Jahrhundert wurde hier Wein angebaut; die Anbauflächen reichten damals von den Bergen bis hinunter zur Küste. Hier hält die Zeit an. Ein kurzer Halt, bevor es weitergeht.

Abschnitt 3: Las Palmas – Faro de Anaga
Von Las Palmas aus führt der Weg weiter entlang der Küste, und die Roques de Anaga rücken ins Blickfeld: Roque de Dentro und Roque Fuera – zwei bizarre Felsen, die aus dem Atlantik ragen. Ein Fotomotiv, das man auf der gesamten Kanarischen Inselkette so nicht findet. Weit nach Osten: kein Land mehr bis zur Küste Afrikas.
Man passiert die Finca Los Orobales und kurz darauf die Fuente del Junquillo, eine Quelle, von der in früheren Zeiten das Wasser auf die umliegenden Felder geleitet wurde. Geschichte zum Anfassen.
Der Faro de Anaga liegt auf 230 Metern. Der Leuchtturm steht dort, wo das Anaga aufhört und der Atlantik beginnt. Eine Pause hier ist Pflicht: Wasser trinken, die Roques aus nächster Nähe bewundern, tief durchatmen – und dann weitergehen.

Die Roques de Anaga vom Leuchtturm aus
Die Roques de Anaga – zwei bizarre Felsnadeln, die aus dem Atlantik ragen – sind von hier aus aus nächster Nähe zu sehen. Brutplatz seltener Seevögel, für Boote unzugänglich. Ein Fotomotiv, das man so auf der gesamten Kanarischen Inselkette nicht findet. Weit nach Osten: kein Land mehr bis zur Küste Afrikas.

Roque Bermejo: Das geheimste Ziel der Königstour
Roque Bermejo ist kein Ort für Touristen – er ist ein Ort für Entdecker. Kein Café, keine Dusche, kein Netz. Nur Fels, Meer, Einsamkeit und das Bewusstsein, dass man heute weiter gelaufen ist als fast jeder andere auf Teneriffa. Der Barranco de Roque Bermejo hat hier rote Lavafelsen – ungewöhnlich für das Anaga, das sonst von dunklem Basalt dominiert wird.

Abschnitt 4: Roque Bermejo – Barranco – Chamorga
Der Rückweg beginnt mit dem Aufstieg durch die tiefe Schlucht des Barranco de Roque Bermejo. Wanderstöcke sind hier besonders wertvoll. Der Weg folgt dem Bachlauf stetig nach oben, vorbei am ehemaligen Landgut der Casas Blancas. Im Frühjahr rauschen hier kleine Wasserfälle, die Vegetation zeigt sich in voller Pracht.
Kurz vor Chamorga wandelt sich die Landschaft: Terrassierte Felder und vereinzelte Drachenbäume rücken ins Blickfeld. Der Lorbeerwald lichtet sich, die Wege werden vertrauter – und nach 6 Stunden Wildnis fühlt sich Chamorga wie eine Heimkehr an.

🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
⚠️ Sicherheitshinweis: Wege im Anaga-Gebirge sind teilweise schmal, ausgesetzt und nach Regen rutschig. Festes Schuhwerk (Wanderschuhe mit Profil) ist Pflicht. GPS-Track vorab herunterladen (Sunhikes, Wikiloc oder OsmAnd). In vielen Tälern (Afur, Chamorga, Taganana) kein Mobilfunkempfang. Mindestens 2 Liter Wasser pro Person einplanen. Notruf: 112.
Praktische Tipps
- Start: Chamorga, vor 8:00 Uhr – lange Route, volles Tageslicht einplanen
- Wasser: 3 Liter Minimum – auf der gesamten Route keine Versorgung, kleine Bar in Chamorga. Öffnungszeiten vorher prüfen!
- Wanderstöcke: Besonders für Küstentraverse und Rückaufstieg sehr empfehlenswert
- Trittsicherheit: Küstenpassage mit ausgesetzten Geröllabschnitten – kein Weg für Anfänger
- Roque Bermejo: Kurze Rast einplanen – einmalige Abgeschiedenheit genießen
- Notruf: 112 – kein Mobilfunk auf weiten Teilen der Route
Fazit
Die große Rundwanderung Chamorga – El Draguillo – Faro de Anaga – Roque Bermejo ist die definitive Anaga-Erfahrung: Höhenkamm, wilde Küste, historische Landgüter, einsamer Leuchtturm, geheime Bucht. Wer sie geht, hat das Anaga wirklich kennengelernt – von seiner schönsten und anspruchsvollsten Seite.
Häufige Fragen
Schwer im klassischen Sinne: über 1.000 Höhenmeter, ausgesetzte Küstenpassagen, langer Rückaufstieg. Für Wanderer mit regelmäßiger Bergerfahrung und gutem Schuhwerk gut machbar. Für Einsteiger nicht geeignet.
Eine winzige, nur zu Fuß oder per Boot erreichbare Bucht an der Nordostküste des Anaga – mit rotem Lavastein, einem alten Fischerhäuschen und absoluter Einsamkeit.
Ja – kurz vor dem Leuchtturm führt ein Abzweig über die Montaña de Tafada zurück nach Chamorga und spart ca. 1,5 km. Alternativ kann man die Küstentraverse weglassen und nur den PR TF 6 zum Leuchtturm und zurück gehen (ca. 6,4 km).
Spätestens 8:00 Uhr in Chamorga – die Route braucht 6+ Stunden und man sollte vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein.
El Draguillo ist das letzte ans Straßennetz angebundene Dorf im Norden des Anaga – umgeben von Lorbeerwald, benannt nach seinen Drachenbäumen. Ein Ort, der kaum auf Touristenkarten auftaucht.
Eine nur zu Fuß erreichbare historische Siedlung an der Küste mit einer Hacienda aus dem 17. Jahrhundert, die einst als Weinbau- und Verwaltungszentrum diente. Zeitweise noch bewohnt.
Die vollständige Route sowie den GPS-Track findet man auf Große Rundwanderung Chamorga – Faro de Anaga auf Sunhikes.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


