Sicher durch den Lorbeerwald – was man vor jeder Anaga-Wanderung wissen muss
Das Anaga-Gebirge ist kein Hochgebirge – aber es ist auch kein Park. Die Wege sind schmal, die Schluchten tief, der Untergrund nach Regen tückisch glatt. Nebel zieht in Minuten auf und verwandelt gut sichtbare Pfade in orientierungslose Waldpassagen. Wandersicherheit im Anaga beginnt nicht auf dem Weg, sondern zu Hause – mit der richtigen Vorbereitung.
Dieser Artikel ist Pflichtlektüre vor jeder Anaga-Wanderung – egal ob kurze Einsteigertour oder mehrstündige Küstenrunde. Er fasst alle wichtigen Sicherheitsregeln zusammen, erklärt die größten Gefahren und gibt konkrete Checklisten für Ausrüstung und Vorbereitung.

Die größten Gefahren beim Wandern im Anaga
Gefahr 1: Rutschige Wege nach Regen
Der Lorbeerwald hat ein eigenes Mikroklima: feucht, oft nebelverhangen, mit organischem Untergrund aus Laub, Moos und Erde. Nach Regen werden diese Pfade extrem glatt – auch ohne frischen Niederschlag, wenn der Nebel den Boden durchfeuchtet. Wanderschuhe mit Profilsohle sind keine Empfehlung, sondern absolute Pflicht. Sneaker, Halbschuhe und Sandalen sind auf allen Anaga-Routen ungeeignet.

Gefahr 2: Kein Mobilfunk in den Barrancos
In den meisten Schluchten (Barranco de Afur, Barranco de Chamorga, Taganana) gibt es keinen Mobilfunkempfang. Das bedeutet: kein Google Maps, kein Notrufsignal über Mobilfunk, keine Navigation. GPS-Track vorab offline laden (Sunhikes, OsmAnd oder Wikiloc) ist deshalb keine optionale Extras, sondern Sicherheitsbasis. Der Notruf 112 ist in vielen Gebieten trotzdem noch erreichbar – aber verlassen kann man sich nicht darauf.

Gefahr 3: Nebel und Orientierungsverlust
Nebel ist im Anaga eine Alltagserscheinung – und er zieht in Minuten auf. Was eben noch ein klarer Pfad war, kann bei dichtem Nebel zur Orientierungsaufgabe werden. Niemals bei aufziehendem dichten Nebel ausgesetzte Passagen beginnen. GPS-Track immer dabei. Wenn man unsicher wird: Stehenbleiben, orientieren, auf Verbesserung warten – nicht in Panik bergab laufen.

Gefahr 4: Ausgesetzte Küstenabschnitte
Routen wie die Große Chamorga-Runde und die Küstenpassage vor El Draguillo führen über ausgesetzte Felsabschnitte direkt an den Klippen. Hier ist Trittsicherheit gefordert. Wer Höhenangst hat oder sich auf unbekannten Pfaden unwohl fühlt, sollte diese Passagen vorab im GPS-Track überprüfen oder eine geführte Tour buchen.

Mindest-Ausrüstung für jede Anaga-Wanderung
Wanderschuhe: Knöchelhohe Schuhe mit Profilsohle (z. B. Salomon X Ultra 4, Merrell Moab 3). Kein Leder nötig, aber eine echte Profilsohle ist unverzichtbar. Nasse Laubpfade und die rutschigen Erdwege der Barrancos verzeihen keinen Kompromiss.
Wasser: Mindestens 2 Liter pro Person. Auf den meisten Routen gibt es keine Quellen oder Einkehrmöglichkeiten. Im Sommer und auf langen Touren eher 3 Liter. Wasserflasche oder Hydrationsbag.
Regenjacke: Auch bei Sonnenschein unten in Santa Cruz kann es oben im Lorbeerwald nass und kalt werden. Eine kompakte, wasserabweisende Jacke gehört in jeden Rucksack.
GPS-Track offline: Auf dem Smartphone über Sunhikes, OsmAnd oder Wikiloc herunterladen und offline sichern, bevor man ins Tal geht. Kein Datenverbrauch nötig.
Rucksack: 20–30 Liter für Tagestouren. Darin: Wasser, Verpflegung, Regenjacke, Erste Hilfe (Pflaster, Verband), Sonnencreme, Stirnlampe für längere Touren.
Was man NICHT braucht
Steigeisen, Klettergurt oder Hochgebirgsausrüstung sind im Anaga nicht nötig. Das Massiv ist kein Hochgebirge – mit gutem Schuhwerk und der richtigen Tourenplanung ist das Gelände ohne Spezialausrüstung bewältigbar.
Genehmigungen und Schutzgebiete im Anaga
Das Anaga ist UNESCO-Biosphärenreservat – und einige Bereiche sind besonders geschützt. Für den El Pijaral (der besterhaltene Lorbeerwald des Anaga) ist eine kostenlose Genehmigung über tenerifeon.es erforderlich. Neue Kontingente werden montags um 07:00 Uhr (Kanarische Zeit) freigeschaltet, maximal 45 Personen pro Tag. Frühzeitig buchen! Wer ohne Genehmigung in El Pijaral angetroffen wird, riskiert eine Geldstrafe.
Der Monte de Aguirre ist Teil des Pico del Inglés – Monte de Aguirre – Valle Luis Weges (13,7 km, moderat) und ebenfalls Teil des Schutzgebiets. Auch hier Genehmigungspflicht prüfen vor dem Start.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
⚠️ Sicherheitshinweis: Wege im Anaga-Gebirge sind teilweise schmal, ausgesetzt und nach Regen rutschig. Festes Schuhwerk (Wanderschuhe mit Profil) ist Pflicht. GPS-Track vorab herunterladen (Sunhikes, Wikiloc oder OsmAnd). In vielen Tälern (Afur, Chamorga, Taganana) kein Mobilfunkempfang. Mindestens 2 Liter Wasser pro Person einplanen. Notruf: 112.
Praktische Tipps
- Wanderschuhe: Profilsohle Pflicht – kein Kompromiss
- Wasser: 2 Liter Minimum, 3 Liter bei langen oder heißen Touren
- GPS offline: Track vor dem Start laden, nicht im Barranco
- El Pijaral & Monte de Aguirre: Genehmigung über tenerifeon.es
- Nebel: Niemals ausgesetzte Passagen bei aufziehendem Nebel beginnen
- Regenjacke: Immer dabei, auch bei Sonnenschein
- Früh starten: Parkplätze voll ab 9:30 Uhr, Risiko durch Hitze steigt nachmittags
Fazit
Sicher im Anaga wandern ist einfach – wenn man vorbereitet ist. Gutes Schuhwerk, ausreichend Wasser, GPS-Track offline und ein Blick auf das Wetter vor dem Start: Das reicht für die meisten Routen. Wer das beherzigt, erlebt eines der eindrücklichsten Wandergebiete Europas ohne böse Überraschungen.
Häufige Fragen
GPS-Track offline sichern, bevor man ins Tal steigt – und gutes Schuhwerk mit Profilsohle tragen. In vielen Barrancos kein Mobilfunk.
Stehenbleiben, GPS-Track öffnen (offline!), orientieren. Nicht in Panik bergab laufen. Im Notfall: 112 anrufen, auch wenn kein Netz angezeigt wird.
Ja, kostenlos über tenerifeon.es. Montags um 07:00 Uhr (Kanarische Zeit) werden neue Kontingente freigeschaltet. Maximal 45 Personen täglich.
Das Anaga hat ein eigenes Mikroklima: oft nebelig und feucht, auch wenn unten an der Küste Sonne scheint. Regenjacke immer dabei. Im Winter nach Starkregen Wege meiden.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


