Las Carboneras – vom Köhlerdorf zur stillen Station an der Kammstraße
Las Carboneras klingt nach Geschichte – und das ist es auch. Der Name verrät es: Carbonera bedeutet Kohlenmeiler. In diesem kleinen Dorf wurde einst Holzkohle hergestellt – durch das kontrollierte Verschwelen von Lorbeerholz im Erdmeiler. Eine Produktion, die Jahrhunderte lang das Leben des Dorfes bestimmte und heute nur noch in der Namensgebung überlebt.
Las Carboneras heute: Ein ruhiger Ort mit einer Handvoll Häuser, Kartoffel- und Tomatenfeldern auf den Terrassen. Wer auf der TF-145 in Richtung Chinamada fährt, passiert Las Carboneras unweigerlich – und sollte kurz anhalten.

Geschichte: Kohlenmeiler im Lorbeerwald
Holzkohle war auf den Kanaren bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiger Brennstoff – für Küchen, für Schmiede, für Backöfen. Der dichte Lorbeerwald des Anaga lieferte den Rohstoff: Lorbeerbäume wurden kontrolliert geschlagen, das Holz in Erdmeilern (Carboneras) bei niedriger Temperatur und unter Sauerstoffausschluss verkohlt.
Dieser Prozess brauchte Wissen, Geduld und ein gutes Gespür für den Zeitpunkt – zu früh, und das Holz brannte durch; zu spät, und die Kohle war minderwertig. Die Bewohner von Las Carboneras waren Spezialisten: Carboneros, die ihr Handwerk über Generationen weitergaben. Mit dem Aufkommen von Gasherden und Industriekohle im 20. Jahrhundert endete die Meilerproduktion.

Was vom alten Handwerk geblieben ist
Von den Meilern selbst ist nichts mehr zu sehen – sie wurden nach Aufgabe des Betriebs vom Lorbeerwald überwachsen. Was geblieben ist: der Name, einige mündliche Überlieferungen unter den älteren Einwohnern und das Bewusstsein, an einem Ort zu stehen, der einmal das Holzkohle-Zentrum des Anaga war.
Las Carboneras heute: Landwirtschaft und Wanderstation
Las Carboneras ist heute ein lebendiges, wenn auch kleines Dorf: Kartoffeln, Tomaten und Ziegenprodukte sind die Haupterzeugnisse. Der PR-TF 10.1 verläuft durch Las Carboneras – ein markierter Wanderweg, der das Dorf als Wegstation in ein größeres Netz aus Anaga-Routen einbindet. Für Wanderer ist Las Carboneras ein guter Ort für eine kurze Pause.

Ziegenkäse aus Las Carboneras
Eine Besonderheit, die nicht im Reiseführer steht: Einige Familien in Las Carboneras produzieren Ziegenkäse nach traditionellen kanarischen Rezepturen. Wer Glück hat und zur richtigen Zeit kommt, kann direkt beim Produzenten kaufen – frisch, unvermittelt, ein Geschmack, der mit dem Supermarktprodukt nichts gemein hat. Lokal nachfragen.
Restaurant El Frontón
Das Restaurant El Frontón ist die wichtigste Einkehrmöglichkeit im inneren Anaga hinter Cruz del Carmen. Kanarische Hausmannskost: Papas arrugadas, Gofio, Mojo rojo und verde, gegrilltes Fleisch, gelegentlich frischer Fisch. Die Preise sind moderat, die Portionen groß, die Aussicht aufs Barranco unschlagbar.
Öffnungszeiten sind saisonabhängig – besonders Mittwoch bis Sonntag, mittags, ist El Frontón meist geöffnet. Vor dem Besuch anrufen oder auf die Website der lokalen Gastronomieliste zurückgreifen. Nach einer langen Wanderung das Ziel schlechthin.

Anreise: Las Carboneras liegt an der TF-145
Las Carboneras liegt in einem Seitental des Anaga-Massivs. Um dorthin zu gelangen, von der TF-12 abbiegen und der TF-145 folgen. Die Straße führt sackgassenartig bergab nach Las Carboneras und endet schließlich in Chinamada. Parken nur am Straßenrand.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
Praktische Tipps
- Las Carboneras liegt an der Straße nach Chinamada – kurze Pause einplanen
- Restaurant El Frontón bietet kanarische Hausmannskost – Öffnungszeiten kurzfristig prüfen
- Ziegenkäse: Lokal nachfragen – nicht immer verfügbar, aber einzigartig
- PR-TF 10.1: Wanderweg-Station – Las Carboneras als Rast- und Orientierungspunkt
- Kombination: Las Carboneras + Chinamada und Taborno an einem Tag
Fazit
Las Carboneras ist der stille Zeuge einer vergangenen Handwerkskultur – Holzkohle, Lorbeerwald, Erdmeiler. Heute Kartoffelfelder, Ziegenkäse, Wanderstation. Klein, ruhig, authentisch – und ein perfekter Stopp auf der Straße Richtung Chinamada.
Häufige Fragen
Carbonera = Kohlenmeiler. Das Dorf war das Zentrum der Holzkohleproduktion im Anaga – Lorbeerholz wurde in Erdmeilern zu Kohle verschwelt.
Gelegentlich auch Ziegenkäse direkt vom Produzenten (lokal nachfragen).
Ja – besonders auf der Fahrt Richtung Chinamada. Kurze Pause, Blick auf die Terrassenlandschaft.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


