Teneriffas ältestes Dorf – Taganana im Anaga-Gebirge

Taganana ist das älteste Dorf Teneriffas – gegründet 1501, kurz nach der spanischen Conquista, in eine spektakuläre Felslandschaft gedrückt, die einem beim ersten Anblick den Atem verschlägt. Schroffe Felstürme hinter dem Dorf, Weinberge auf den Terrassenfeldern, eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert, und unten, kaum sichtbar von oben, rauscht die Nordküste.

Taganana ist kein Postkartenidyll, das auf Touristen wartet. Es ist ein echtes Dorf mit echten Einwohnern, eigener Geschichte und einer Atmosphäre der Zeitlosigkeit, die sich kaum in Worte fassen lässt. Für alle, die das Anaga nicht nur als Wandergebiet, sondern als bewohnten Raum verstehen wollen, ist Taganana Pflichtprogramm.

Taganana im Anaga
Taganana im Anaga

Geschichte: Taganana und die Anfänge Teneriffas

Die spanischen Conquistadoren gründeten Taganana 1501, nur wenige Jahre nach der endgültigen Unterwerfung der Guanchen-Bevölkerung unter kastilische Herrschaft. Das Dorf entstand an einer strategisch günstigen Stelle: geschützt von den Felsen, mit Zugang zu Wasserquellen und Terrassenlandwirtschaft. Die Guanchen selbst hatten das Gebiet bereits vor der Conquista bewohnt – einige der Terrassenfelder, die heute noch genutzt werden, gehen auf vorkolumbische Bewirtschaftung zurück.

Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts entwickelte sich Taganana zu einem bescheidenen landwirtschaftlichen Zentrum des Anaga: Wein, Tomaten und tropische Früchte wurden angebaut. Heute ist die Landwirtschaft zurückgegangen, aber einige Familien halten die Tradition aufrecht.

Die Felstürme über dem Dorf: Roques de Taganana

Die Roques de Taganana – die markanten Felstürme, die das Dorf von oben wie eine natürliche Mauer einrahmen – sind das charakteristischste Merkmal der Dorfsilhouette. Aus Basalt, erosionsresistenter als das umgebende Gestein, ragen der spitze Roque de las Ánimas und der Roque de Enmedio wie Wächter über die Dächer. In der Abendsonne leuchten sie tief orange-rot – ein Anblick, für den man keine Wanderung braucht, nur ein Auto und das Ende der Serpentinenstraße.

Roques de Taganana
Roques de Taganana

Iglesia Nuestra Señora de las Nieves: Die Dorfkirche

Die Iglesia Nuestra Señora de las Nieves (Kirche Unserer Lieben Frau vom Schnee) ist das Herzstück Tagananas – gebaut im 16. Jahrhundert, mehrfach renoviert, aber immer noch mit dem Flair einer Bergkirche der frühen Kolonialzeit. Das Innere ist schlicht und eindrücklich: weiß getüncht, mit einem Holzaltar und einer Figur der Schutzheiligen. Geöffnet bei Gottesdiensten und an Festtagen – für kurze Besuche auch außerhalb der Gottesdienstzeiten möglich.

Guachinches: Essen wie die Einheimischen

In und um Taganana gibt es Guachinches – traditionelle Weinbauern-Imbisse, die hausgemachten Wein und einfache kanarische Küche servieren. Das Konzept: Ein Bauer öffnet saisonal sein Haus oder seinen Keller, serviert Hauswein und kocht, was die Küche hergibt. Papas arrugadas, Gofio, Mojo, Fleisch vom Grill – kein Menü, kein Formular, keine Website. Die nächste Guachinche öffnet, wenn geerntet wird und der Wein fertig ist. Lokal fragen ist Pflicht.

Guachinches bei Taganana
Guachinches bei Taganana

Die Serpentinenstraße TF-134: Anfahrt als Erlebnis

Die TF-134 von der Kammstraße TF-12 hinunter nach Taganana ist eine der spektakulärsten Bergstraßen Teneriffas: Über dreißig enge Kurven, Steilhänge, Barrancos. Gegenverkehr ist möglich – an unübersichtlichen Stellen hupen. Das Auto sollte handlich sein; für große SUVs kann es an manchen Kurven knapp werden.

Der Blick vom ersten Aussichtspunkt der TF-134 auf Taganana ist einer der aufregendsten Moments der Anreise: Das Dorf liegt tief unten, eingekeilt zwischen Fels und Schlucht, die Kirche als weißer Punkt inmitten von Weinbergen. Man muss kurz anhalten.

Ausblick über das Dorf Taganana vor der schroffen Felskulisse des Anaga-Gebirges
Ausblick über das Dorf Taganana vor der schroffen Felskulisse des Anaga-Gebirges

🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.

Praktische Tipps

Fazit

Taganana ist das echte Anaga in Dorfform: das älteste Dorf der Insel, eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert, Guachinche-Tradition und eine Bergsilhouette, die man nicht vergisst. Keine Touristeninfrastruktur, keine Souvenirläden – nur ein Dorf, das einfach ist, was es ist.

Häufige Fragen

Was ist das Besondere an Taganana?

Taganana ist das älteste Dorf Teneriffas (gegründet 1501), umgeben von dramatischen Felstürmen, mit einer Kirche aus dem 16. Jahrhundert und lebendiger Guachinche-Tradition.

Wie kommt man nach Taganana?

Mit dem Auto über die TF-12 (Kammstraße) und Serpentinenstraße TF-134. Mit dem Bus: TITSA 946 ab Santa Cruz – wenige Fahrten täglich.

Was ist ein Guachinche?

Ein traditioneller Weinbauern-Imbiss auf den Kanaren, ähnlich einer Besenwirtschaft – saisonal geöffnet, Hauswein, einfache kanarische Küche. In Taganana lokal nach aktuell geöffneten Betrieben fragen.

Wann ist die beste Zeit für Taganana?

Herbst und Winter – die Weinberge sind bunt, Guachinches öffnen nach der Ernte, das Licht auf den Felstürmen ist spektakulär.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026