Tausend Jahre vor uns – die Guanchen im Anaga-Gebirge
Lange bevor spanische Conquistadoren die Küste Teneriffas sahen, lebten die Guanchen im Anaga-Gebirge. Seit mindestens dem 6. Jahrhundert vor Christus – manche Schätzungen gehen noch weiter zurück – bevölkerten sie die Schluchten, bauten Terrassenfelder, gruben Höhlenwohnungen in den Tuffstein und verehrten Felsen als heilige Orte. Das Anaga war ihr Kerngebiet: unzugänglich, fruchtbar, verteidigbar.
Heute sind die Guanchen als eigenständige Ethnie verschwunden – assimiliert, dezimiert, schließlich aufgegangen in der kanarischen Bevölkerung. Aber ihre Spuren im Anaga sind real: die Höhlenwohnungen von Chinamada, der Roque de Anambro als heiliger Fels, die Terrassenfelder in Afur und Taganana. Wer durch das Anaga wandert, wandert durch Guanchen-Territorium.

Herkunft und Geschichte der Guanchen
Die Guanchen stammten nach aktuellem Forschungsstand aus Nordafrika – vermutlich Berber-Gruppen, die vor etwa 2.000 Jahren auf die Kanarischen Inseln kamen. Sie lebten als Hirten und Bauern, in Höhlen und einfachen Steinhütten, mit einer Gesellschaft, die in Menceyatos (Königreiche) gegliedert war. Teneriffa war in neun Menceyatos aufgeteilt.
Das Menceyato Anaga war eines der bedeutendsten – und das letzte, das der spanischen Conquista militärisch Widerstand leistete. Erst nach der Batalla de Acentejo (1495) – einer der blutigsten Schlachten der Conquista, bei der die Spanier unter Alonso de Lugo vernichtend geschlagen wurden – und schließlich nach der zweiten Acentejo-Schlacht 1496 wurde Teneriffa endgültig unterworfen.

Das Anaga als letztes Rückzugsgebiet
Das Anaga war das letzte Rückzugsgebiet der Guanchen: unzugänglich, bewaldet, von wenigen Wegen durchzogen. Noch heute findet man in den Barrancos Guanchen-Keramik, Knochenfunde und Spuren von Behausungen – die meisten nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, aber in Museen dokumentiert.
Guanchen-Spuren im Anaga heute
Chinamada: Die Höhlenwohnungen von Chinamada wurden ursprünglich von den Guanchen als Wohnstätten genutzt – lange vor der spanischen Besiedlung. Die Technik des Höhlenhauses übernahmen die späteren Siedler. Das Dorf ist in diesem Sinne eine direkte architektonische Linie von den Ureinwohnern zur Gegenwart.
Roque de Anambro: Der große Basaltfels auf der Chinobre Rundwanderung gilt als heiliger Ort der Guanchen – ein Fels, an dem Rituale und Opfergaben stattfanden. Die Guanchen verehrten bestimmte Felsformationen als Wohnorte von Gottheiten. Der Roque de Anambro gehörte dazu.
Terrassenfelder: Die Terrassenfelder in Afur, Taganana und anderen Dörfern gehen teilweise auf die Guanchen zurück. Die systematische Erschließung der Schluchthänge für die Landwirtschaft war eine der bedeutendsten kulturellen Leistungen der Ureinwohner.

Das MUNA – Museo de Naturaleza y Arqueología
Das wichtigste Museum für die Geschichte der Guanchen auf Teneriffa ist das MUNA (Museo de Naturaleza y Arqueología) in Santa Cruz de Tenerife. Hier findet man die bedeutendste archäologische Sammlung der Insel: mumifizierte Guanchen-Individuen, Keramikfunde aus dem Anaga, Rekonstruktionen der Lebensweise und Gesellschaft. Ein Museumsbesuch vor oder nach dem Anaga-Aufenthalt empfiehlt sich sehr.
🌿 Biosphärenreservat: Das Anaga-Gebirge ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat. Bitte Wege nicht verlassen, keine Pflanzen oder Tiere mitnehmen — Wildcampen und Lagerfeuer sind verboten.
Praktische Tipps
- MUNA Santa Cruz: Archäologische Guanchen-Sammlung vor dem Anaga-Besuch
- Roque de Anambro: Chinobre Rundwanderung – heiliger Fels der Guanchen
- Chinamada: Die Höhlenwohnungen als direktes Erbe der Guanchen-Architektur
- Terrassenfelder Afur und Taganana: Guanchen-Landwirtschaft bis heute sichtbar
- Respekt: Guanchen-Fundstätten sind Kulturerbe – nicht betreten oder beschädigen
Fazit
Die Guanchen haben das Anaga geformt: Höhlenwohnungen, Terrassenfelder, heilige Felsen – ihre Spuren sind überall. Wer das Anaga mit ihren Augen betrachtet, sieht mehr als Wanderwege und Ausblicke. Er sieht eine Geschichte, die 2.000 Jahre zurückreicht.
Häufige Fragen
Die Ureinwohner der Kanarischen Inseln – Berberstämme aus Nordafrika, die vor ca. 2.000 Jahren ankamen und bis zur spanischen Conquista (1496) eine eigenständige Kultur entwickelten.
Ein Guanchen-Königreich – Teneriffa war in neun Menceyatos aufgeteilt. Das Menceyato Anaga war eines der mächtigsten.
Chinamada (Höhlenwohnungen), Roque de Anambro (heiliger Fels), Terrassenfelder in Afur und Taganana, archäologische Funde im MUNA Santa Cruz.
Das Museo de Naturaleza y Arqueología in Santa Cruz de Tenerife – beste archäologische Guanchen-Sammlung auf Teneriffa.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer für Teneriffa und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: April 2026


